Email an Bayerisches Staatsministerium für Digitales 2026

Schreiben an die Verantwortlichen

Email an Bayerisches Staatsministerium für Digitales 2026

Beitragvon Dino75195 » 02.03.2026 21:00

Email an Bayerisches Staatsministerium für Digitales 2026

Betreff Strukturelle Defizite beim Glasfaserausbau in Bayern – Bitte um Stellungnahme
Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Robert M., ich komme aus der Nähe von München und engagiere mich deutschlandweit für den Breitbandausbau über die Initiative gegen digitale Spaltung – geteilt.de.

geteilt.de ist eine bundesweite, unabhängige und werbefreie Initiative gegen digitale Spaltung und setzt sich seit über 20 Jahren für einen flächendeckenden, leistungsfähigen und bezahlbaren Breitbandausbau in Deutschland ein. Ziel ist digitale Teilhabe für alle Menschen – unabhängig vom Wohnort, Einkommen oder Anbieterinteressen.

Seit zwei Jahrzehnten weisen wir darauf hin, dass ein überwiegend wettbewerbsgetriebener und unkoordinierter Breitbandausbau ohne klare staatliche Zielvorgaben zu strukturellen Fehlentwicklungen führt. Die aktuelle Situation bestätigt diese Einschätzung leider in weiten Teilen.

Bayern versteht sich als führender Digitalstandort in Deutschland. Umso wichtiger ist die Frage, wie der vollständige Infrastrukturwechsel von Kupfer auf Glasfaser unter den derzeitigen Rahmenbedingungen tatsächlich gelingen soll.

Aus unserer Sicht bestehen insbesondere folgende strukturelle Probleme:

Erstens: Fragmentierte Förderarchitektur
Die Verantwortung für Planung, Antragstellung, Vergabe und Koordination wird faktisch auf Kommunen verlagert. Gerade kleinere Gemeinden mit Ortsteilen sind organisatorisch und personell stark belastet. Der infrastrukturelle Generationswechsel wird so zu einem kommunalen Verwaltungsprojekt, statt als strategische Landesaufgabe organisiert zu werden.

Zweitens: Fehlende Vollausbauperspektive
Förderprogramme orientieren sich an Unterversorgungsgrenzen und ermöglichen häufig nur punktuelle Verbesserungen. Es entstehen 60-, 70- oder 80-Prozent-Lösungen, aber kein konsequenter, gebietsbezogener Vollausbau. Parallelstrukturen bleiben bestehen.

Drittens: Fehlende Abschaltperspektive für Kupfer
Solange kupferbasierte Anschlüsse dauerhaft parallel verfügbar bleiben, fehlt ein klarer Migrationsdruck. Das führt zu niedrigen Aktivierungsquoten (Take-up). Ein signifikanter Teil der Haushalte nutzt vorhandene Glasfaseranschlüsse nicht, weil DSL subjektiv „ausreicht“ und keine verbindliche Perspektive kommuniziert wird.

Viertens: Marktgetriebener Ausbau ohne Koordination
Eigenwirtschaftliche Ausbauentscheidungen erfolgen betriebswirtschaftlich, nicht infrastrukturell-strategisch. Attraktive Gebiete werden mehrfach erschlossen, ländliche Räume bleiben zurück. Ein echter Flächenansatz fehlt.

Unter diesen Bedingungen ist eine flächendeckende Glasfaserabdeckung weder bis 2030 noch bis 2035 realistisch erreichbar. Ein freier Markt ohne klare Migrationslogik und ohne verbindliche Abschaltfristen wird den vollständigen Infrastrukturwechsel nicht leisten.

Glasfaser ist keine Komfortoption, sondern die grundlegende Infrastruktur der nächsten Jahrzehnte – vergleichbar mit Verkehrs- oder Energienetzen. Ein dauerhaftes Nebeneinander von Kupfer- und Glasfasernetzen ist volkswirtschaftlich ineffizient, bindet Kapital und verzögert Investitionen in die Fläche.

Vor diesem Hintergrund bitte ich um Stellungnahme zu folgenden Fragen:

Wie stellt sich der Freistaat Bayern einen vollständigen Infrastrukturwechsel vor, wenn weiterhin auf parallele Netze, freiwillige Nachfragebündelung und kommunale Projektverantwortung gesetzt wird?

Ist eine stärkere landesweite Koordination, etwa über größere Planungseinheiten oder verbindliche Vollausbauperspektiven, vorgesehen?

Wie bewertet das Staatsministerium die Frage verbindlicher Abschaltfristen für Kupfernetze in vollständig erschlossenen Gebieten?

Dieses Schreiben wird im öffentlichen Forum der Plattform http://www.geteilt.de veröffentlicht.
Auch eine Antwort Ihrerseits würde dort veröffentlicht. Falls Sie dies nicht wünschen, bitte ich um einen entsprechenden Hinweis.

Für eine fachliche Einordnung und eine politische Perspektive auf diese Fragen wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Mit freundlichen Grüßen
Speedport Smart 4
Telekom VDSL Vectoring mit 70 Mbit/s (Danke Telekom das es immer noch so langsam ist)
AMD Ryzen 5 5600X, 6x 3.70GHz 32 GB RAM 24" TFT

Initiative für
"Schnelleres DSL in Weichs und allen Ortsteilen"
http://www.dsl-weichs.de (Webseite inzwischen abgeschalten)
DSL 16000 ist in Weichs verfügbar seit 20.6.2011
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