Kupferabschaltung in Deutschland: Was der Umstieg auf Glasfaser für Verbraucher bedeutet
Deutschland will seine veraltete Kupfernetzinfrastruktur – über die heute noch viele DSL- und Telefonanschlüsse betrieben werden – bis spätestens 2030 schrittweise durch moderne Glasfasernetze ersetzen. Dieses Ziel wird nicht nur politisch hochgehalten, sondern ist auch Teil der europäischen Digitalstrategie. Doch während die Vision eines flächendeckenden Glasfasernetzes als Symbol für Digitalisierung und Zukunftsfähigkeit gilt, sprechen die Fakten eine deutlich kritischere Sprache.
Ausbau hinkt deutlich hinterher!
Trotz milliardenschwerer Investitionen in den Glasfaserausbau ist der Fortschritt bislang überschaubar. Studien des Breitbandverbands BREKO zeigen, dass selbst unter optimistischen Voraussetzungen die Glasfaserquote in Deutschland bis 2030 auf nur etwa 76 % bis 86 % der Haushalte steigen wird, und nicht auf die angestrebte flächendeckende Versorgung.
Damit würde ein erhebliches Netz von Haushalten und Betrieben auch 2030 weiter auf Kupfer- und DSL-Technologie angewiesen sein – entgegen der politischen Zielsetzung.
Strukturelle Hürden und politische Fehlsteuerung, der schleppende Ausbau ist kein Zufall, sondern ein Symptom grundlegender Herausforderungen.
Fragmentierte Umsetzung:
Viele Akteure bauen parallel, ohne koordinierte Planung, was zu ineffizienten, teuren Prozessen führt.
Fachkräftemangel und Kostensteigerungen erschweren den flächendeckenden Aufbau weiter.
Politischer Stillstand:
Branchenvertreter kritisieren, dass es an klaren, verbindlichen politischen Impulsen fehlt, um Investitionsanreize zu schaffen und die Rahmenbedingungen zu verbessern.
Selbst die Bundesnetzagentur hält eine vollständige Abschaltung der Kupfernetze bis 2030 für unrealistisch, da bisher selbst der Glasfaserzugang in vielen Regionen nicht annähernd flächendeckend verfügbar ist.
Verbraucher zeigen kein zwingendes Interesse am Glasfaser:
Viele Verbraucher nutzen trotz verfügbarer Glasfaseranschlüsse weiterhin DSL über Kupferleitungen, weil ihnen die Vorteile noch nicht klar vermittelt wurden oder sie mit der bisherigen Leistung zufrieden sind. Ohne Nachfrage entsteht aber kein wirtschaftlicher Druck auf Anbieter, schneller und flächendeckender zu investieren – ein klassisches Marktversagen.
Skepsis an einem starren 2030-Datum:
Dass der Termin „2030“ weiterhin als politisches Mantra wiederholt wird, darf nicht darüber hinwegtäuschen: Er ist in hohem Maße symbolisch und politisch motiviert, nicht realistisch. Marktanalysen wie auch Aussagen großer Netzbetreiber zeigen, dass selbst regional begrenzte DSL-Abschaltungen frühestens um 2030 beginnen könnten, aber eine flächendeckende Umstellung noch weit darüber hinausreichen dürfte.
Fazit: Ziel verfehlt – Forderung nach Kurskorrektur
Aus Sicht von geteilt.de zeichnet sich ab: Die nationale Ambition, Kupfernetze flächendeckend bis 2030 durch Glasfaser zu ersetzen, wird scheitern, sofern nicht jetzt grundlegende politische und regulatorische Korrekturen erfolgen. Dazu gehören etwa:
klare, realistische Ausbauziele statt politischer Wunschtermine
bessere Anreize für Investitionen in Randregionen
stärkere Verbraucheraufklärung und Wahlmöglichkeit
koordinierte Netzplanung statt Insellösungen
Ohne solche Maßnahmen droht Deutschland im europäischen Vergleich weiter zurückzufallen – mit Konsequenzen für Wirtschaft, Bildung und Lebensqualität.
Stellungnahme gefragt
Teilt ihr diese Einschätzung?
Wird geteilt.de eine offizielle Stellungnahme zur aktuellen Kupferabschaltungspolitik und zum drohenden Verfehlen der Ziele bis 2030 veröffentlichen?
Gruß Robert

