Droht das Scheitern des Glasfaser-Traums?

Neuigkeiten zum Thema Telekommunikation und Breitband

Droht das Scheitern des Glasfaser-Traums?

Beitragvon Dino75195 » 22.01.2026 19:16

Kupferabschaltung in Deutschland: Was der Umstieg auf Glasfaser für Verbraucher bedeutet

Deutschland will seine veraltete Kupfernetzinfrastruktur – über die heute noch viele DSL- und Telefonanschlüsse betrieben werden – bis spätestens 2030 schrittweise durch moderne Glasfasernetze ersetzen. Dieses Ziel wird nicht nur politisch hochgehalten, sondern ist auch Teil der europäischen Digitalstrategie. Doch während die Vision eines flächendeckenden Glasfasernetzes als Symbol für Digitalisierung und Zukunftsfähigkeit gilt, sprechen die Fakten eine deutlich kritischere Sprache.

Ausbau hinkt deutlich hinterher!

Trotz milliardenschwerer Investitionen in den Glasfaserausbau ist der Fortschritt bislang überschaubar. Studien des Breitbandverbands BREKO zeigen, dass selbst unter optimistischen Voraussetzungen die Glasfaserquote in Deutschland bis 2030 auf nur etwa 76 % bis 86 % der Haushalte steigen wird, und nicht auf die angestrebte flächendeckende Versorgung.

Damit würde ein erhebliches Netz von Haushalten und Betrieben auch 2030 weiter auf Kupfer- und DSL-Technologie angewiesen sein – entgegen der politischen Zielsetzung.

Strukturelle Hürden und politische Fehlsteuerung, der schleppende Ausbau ist kein Zufall, sondern ein Symptom grundlegender Herausforderungen.

Fragmentierte Umsetzung:
Viele Akteure bauen parallel, ohne koordinierte Planung, was zu ineffizienten, teuren Prozessen führt.
Fachkräftemangel und Kostensteigerungen erschweren den flächendeckenden Aufbau weiter.

Politischer Stillstand:
Branchenvertreter kritisieren, dass es an klaren, verbindlichen politischen Impulsen fehlt, um Investitionsanreize zu schaffen und die Rahmenbedingungen zu verbessern.

Selbst die Bundesnetzagentur hält eine vollständige Abschaltung der Kupfernetze bis 2030 für unrealistisch, da bisher selbst der Glasfaserzugang in vielen Regionen nicht annähernd flächendeckend verfügbar ist.

Verbraucher zeigen kein zwingendes Interesse am Glasfaser:
Viele Verbraucher nutzen trotz verfügbarer Glasfaseranschlüsse weiterhin DSL über Kupferleitungen, weil ihnen die Vorteile noch nicht klar vermittelt wurden oder sie mit der bisherigen Leistung zufrieden sind. Ohne Nachfrage entsteht aber kein wirtschaftlicher Druck auf Anbieter, schneller und flächendeckender zu investieren – ein klassisches Marktversagen.

Skepsis an einem starren 2030-Datum:
Dass der Termin „2030“ weiterhin als politisches Mantra wiederholt wird, darf nicht darüber hinwegtäuschen: Er ist in hohem Maße symbolisch und politisch motiviert, nicht realistisch. Marktanalysen wie auch Aussagen großer Netzbetreiber zeigen, dass selbst regional begrenzte DSL-Abschaltungen frühestens um 2030 beginnen könnten, aber eine flächendeckende Umstellung noch weit darüber hinausreichen dürfte.

Fazit: Ziel verfehlt – Forderung nach Kurskorrektur

Aus Sicht von geteilt.de zeichnet sich ab: Die nationale Ambition, Kupfernetze flächendeckend bis 2030 durch Glasfaser zu ersetzen, wird scheitern, sofern nicht jetzt grundlegende politische und regulatorische Korrekturen erfolgen. Dazu gehören etwa:

klare, realistische Ausbauziele statt politischer Wunschtermine
bessere Anreize für Investitionen in Randregionen
stärkere Verbraucheraufklärung und Wahlmöglichkeit
koordinierte Netzplanung statt Insellösungen
Ohne solche Maßnahmen droht Deutschland im europäischen Vergleich weiter zurückzufallen – mit Konsequenzen für Wirtschaft, Bildung und Lebensqualität.

Stellungnahme gefragt
Teilt ihr diese Einschätzung?
Wird geteilt.de eine offizielle Stellungnahme zur aktuellen Kupferabschaltungspolitik und zum drohenden Verfehlen der Ziele bis 2030 veröffentlichen?

Gruß Robert


Quellen & weiterführende Informationen

Bundesnetzagentur – Kupfer-Glas-Migration
Offizielle Informationen zur geplanten Abschaltung von Kupfernetzen und zum regulatorischen Rahmen:
https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fac ... start.html

Bundesnetzagentur – Glasfaser statt Kupfer (Verbraucherinformationen)
Einordnung aus Sicht der Regulierungsbehörde, inklusive Schutz der Verbraucher:
https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Vpo ... start.html

BREKO – Marktanalyse: Glasfaserziel 2030 kaum noch erreichbar
Kritische Einschätzung der Branche zum Zeitplan „flächendeckend Glasfaser bis 2030“:
https://brekoverband.de/2024/09/10/flae ... rreichbar/

teltarif.de – Kupferabschaltung und Realität des Ausbaus
Fachmedium mit regelmäßiger Berichterstattung zur DSL- und Glasfaser-Migration:
https://www.teltarif.de/dsl-glasfaser-k ... /news.html

Golem.de – Debatte um Kupferabschaltung und Wettbewerb
Analyse zu regulatorischen Risiken und Marktfolgen einer verfrühten Abschaltung:
https://www.golem.de/news/anga-abschalt ... 89485.html

n-tv – Zweifel am Glasfaser-Zeitplan
Bericht über politische Zielsetzungen und deren Realisierbarkeit:
https://www.n-tv.de/technik/Digitalmini ... 72528.html
Speedport Smart 4
Telekom VDSL Vectoring mit 70 Mbit/s (Danke Telekom das es immer noch so langsam ist)
AMD Ryzen 5 5600X, 6x 3.70GHz 32 GB RAM 24" TFT

Initiative für
"Schnelleres DSL in Weichs und allen Ortsteilen"
http://www.dsl-weichs.de (Webseite inzwischen abgeschalten)
DSL 16000 ist in Weichs verfügbar seit 20.6.2011
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Re: Droht das Scheitern des Glasfaser-Traums?

Beitragvon Dino75195 » 24.01.2026 09:50

https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fac ... start.html
Alle Akteure und interessierten Parteien haben die Möglichkeit, bis 16. März 2026 zum vorliegenden Regulierungskonzept Stellung zu nehmen.

Was haltet ihr von folgender Stellungnahme?

Bin noch nicht zufrieden, werde selbst auch nochmal eine neue Version schreiben.

Stellungnahme von geteilt.de zur Kupfer-Glas-Migration
im Rahmen der Konsultation zum Regulierungskonzept der Bundesnetzagentur
1. Selbstverständnis und Ziele von geteilt.de
geteilt.de ist eine Initiative gegen digitale Spaltung und engagiert sich seit über 20 Jahren für einen
flächendeckenden, leistungsfähigen und bezahlbaren Breitbandausbau in Deutschland. Ziel der
Initiative ist es, digitale Teilhabe für alle Bürgerinnen und Bürger sicherzustellen und eine Spaltung
der Gesellschaft entlang infrastruktureller Versorgungsgrenzen zu verhindern.
Als Initiative gegen digitale Spaltung setzt sich geteilt.de für gleichwertige Lebensverhältnisse in
Stadt und Land ein. Der Zugang zu leistungsfähiger Telekommunikationsinfrastruktur ist eine
Grundvoraussetzung für gesellschaftliche, wirtschaftliche und demokratische Teilhabe. Bereits früh
hat geteilt.de darauf hingewiesen, dass ein ausschließlich wettbewerbsgetriebener Ausbau in
einem privatisierten Telekommunikationsmarkt zwangsläufig zu dauerhaften Versorgungslücken
führt.
2. Zentrale Probleme des aktuellen Breitbandausbaus
Der aktuelle Glasfaserausbau ist geprägt von Überbau wirtschaftlich attraktiver Gebiete, fehlender
Koordination zwischen Anbietern sowie einem anhaltenden Stadt-Land-Gefälle. Parallel dazu fehlt
es an einer klaren Nachfrageentwicklung, da viele Verbraucher keinen zwingenden Anlass sehen,
von DSL auf Glasfaser zu wechseln.
3. Warum das Kupfernetz abgelöst werden muss
Das Kupfernetz ist technisch und wirtschaftlich nicht zukunftsfähig. Begrenzte Bandbreiten,
steigende Wartungs- und Energiekosten sowie fehlende Skalierbarkeit machen eine Ablösung
zwingend erforderlich. Eine nachhaltige Digitalisierung ist dauerhaft nur mit Glasfaseranschlüssen
bis in die Gebäude möglich.
4. Politische Fehlentscheidungen und vorhersehbare Folgen
Viele der heute sichtbaren Probleme sind das Ergebnis falscher politischer und regulatorischer
Weichenstellungen. Die fehlende Abschaltperspektive für Kupfer hat dazu geführt, dass
Investitionen verzögert und neue Formen digitaler Spaltung begünstigt wurden.
5. EU-Ziel 2030 und notwendige Konsequenzen
Die EU strebt bis 2030 eine flächendeckende Gigabit-Versorgung an. Um dieses Ziel zu erreichen,
muss spätestens ab 2027 verbindlich kommuniziert werden, dass Kupfernetze spätestens fünf
Jahre nach Glasfaserausbau abgeschaltet werden. Eine Versorgung von nur 70 oder 80 Prozent
der Haushalte pro Gemeinde ist inakzeptabel.
6. Stellungnahme zum Regulierungskonzept der Bundesnetzagentur
geteilt.de begrüßt die Konsultation, sieht jedoch deutlichen Nachbesserungsbedarf. Das
Regulierungskonzept bleibt zu unverbindlich, setzt zu stark auf Marktmechanismen und adressiert
das Take-up-Problem nicht ausreichend. Es bedarf klarer Abschaltfristen, verbindlicher
Versorgungsquoten und einer eindeutigen Priorisierung von Glasfaser als Zielstandard.
Schlussbemerkung
Die Konsultation bietet die Chance, aus den Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte zu lernen
und die digitale Spaltung in Deutschland nachhaltig zu überwinden. Diese Chance sollte genutzt
werden.
Speedport Smart 4
Telekom VDSL Vectoring mit 70 Mbit/s (Danke Telekom das es immer noch so langsam ist)
AMD Ryzen 5 5600X, 6x 3.70GHz 32 GB RAM 24" TFT

Initiative für
"Schnelleres DSL in Weichs und allen Ortsteilen"
http://www.dsl-weichs.de (Webseite inzwischen abgeschalten)
DSL 16000 ist in Weichs verfügbar seit 20.6.2011
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