Mit dem Handy vor dem Fenster

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Mit dem Handy vor dem Fenster

Beitragvon Presse » 25.11.2006 12:55

Datum: 22.11.2006
Quelle: Solinger Tageblatt
Titel: Mit dem Handy vor dem Fenster


Solinger Tageblatt hat geschrieben:Mit dem Handy vor dem Fenster

Rund 1000 Solinger Haushalte - die meisten in Ohligs - bekommen keinen DSL-Anschluss. Die "Abgehängten" machen jetzt mobil. Die Telekom stellt Besserung in Aussicht.

"Wenn ich einen Breitband-Anschluss hätte, könnte ich von zu Hause aus arbeiten." Nur ein Grund, warum sich Horst Wetzel seit 2002 um einen schnellen Internet-Zugang per DSL bemüht. Bislang vergebens. Denn der 44-jährige Ford-Ingenieur wohnt im Ohligser Unterland. Dort hat die Telekom in den 90-er Jahren Glasfaserkabel verlegt.

Die galten damals als zukunftsträchtig, haben sich aber mittlerweile als Hemmschwelle für das auf einfachen Kupfer-Telefonleitungen basierende DSL herausgestellt. Die Not hat Horst Wetzel auf der Suche nach einer Alternative erfinderisch werden lassen: Ein Handy mit neuer UMTS-Technik dient als Antenne für den Internetzugang per Mobilfunk. Resultat: eine Übertragungsrate von 348 kbit/s. Das ist nur ein Drittel von dem, was der langsamste DSL-Zugang schafft, kostet aber 39,90 Euro im Monat.

"Manchmal sagen sie, es klappt jetzt doch, dann stelle ich einen Antrag", erzählt Niels Wientzek von seinen Besuchen im Telekom-Laden. "Danach kommen ein paar Bestätigungen. Doch spätestens im fünften Brief steht, die individuelle Prüfung habe ergeben, es gehe doch nicht." Dabei weiß der Sohn von Wetzels Lebensgefährtin Christa Wientzek wovon er spricht: Er studiert Kommunikationstechnik . . .

Ähnlich erging es Melissa Wienzek (ohne "t") aus der Grabenstraße in Ohligs beim Telekom-Mitbewerber Versatel. Die 20-Jährige verdient sich ihr Germanistik-Studium unter anderem als freie Mitarbeiterin in der Online-Redaktion des Tageblatts und ist von daher auf einen schnellen Internetanschluss angewiesen. Sie zahlt für ihren Mobilfunk-Zugang bei Vodaphone 34,95 Euro pro Monat, merkt aber an: "In Stoßzeiten ist es schon etwas langsam."

Doch die "Abgehängten" machen mobil: Ein Flugblatt haben sie verteilt, und ihrem Frust lassen sie im Internet freien Lauf (siehe links). Dort kursieren auch Zahlen - offensichtlich aus einer Datenbank der Telekom: Danach können 750 Haushalte in Ohligs/Aufderhöhe kein DSL bekommen, 1000 in ganz Solingen.

Doch es ist Besserung in Sicht: "Für die in Ohligs verwandten Glasfaserkabel gibt es seit Anfang des Jahres eine technische Lösung, die DSL durch Umrüstung von Vermittlungsstellen und Kabelverzweigern möglich macht", erklärt Telekom-Pressesprecher George MacKinney auf Tageblatt-Anfrage. "Die werden wir jetzt sukzessive einsetzen." So soll die Schwanenstraße beispielsweise bis Ende 1. Quartal 2007 DSL-fähig sein. "Nach dem heutigen Stand des Versorgungsplans", schränkt MacKinney aber auch gleich wieder ein.

Bildunterschrift:
Blick von der Terrasse ins Wohnzimmer der Schwanenstraße 110. Wo bei anderen Familien gerade der Weihnachtsschmuck drapiert wird, hängt bei Christa Wientzek, ihrem Sohn Niels und ihrem Lebensgefährten Horst Wetzel (v. l.) ein Handy: mitten vor dem Fenster. Denn nur hier ist die Mobilfunkverbindung gut genug für einen etwas schnelleren Internetanschluss. Foto: Uli Preuss

Von Knut Reiffert
22.11.06

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HINTERGRUND

(ff) DSL steht für Digital Subscriber Line und bedeutet so viel wie Digitale Teilnehmeranschlussleitung. Denn die Daten werden nicht mehr - wie bei den noch häufig verwendeten Telefonmodems - erst in Geräusche verwandelt, sondern digital versandt. Trotzdem funktioniert DSL - im Gegensatz zu ISDN - mit einem herkömmlichen analogen Telefonanschluss. Außerdem ist DSL die technische Grundlage für die kostengünstige Internettelefonie (Voice over IP).

• Anbieter: Neben der Telekom (T-Com) verfügen Arcor, Alice und Versatel über eigene DSL-Netze. Doch auch für sie stellt sich die Glasfaser-Problematik. Genau wie für die Wiederverkäufer (1&1, Freenet, Strato, Tele 2). Die verkaufen DSL zwar unter ihrem Namen, mieten den DSL-Anschluss aber selbst bei der Telekom.

• Neben den Haushalten, die über Glasfaser angeschlossen sind, haben auch abgelegene Häuser Probleme, an einen DSL-Anschluss zu kommen. Denn zwischen Wohnung und Vermittlungsstelle dürfen maximal sechs Kilometer liegen.

Alternativen zu DSL über die Telefonleitung:

• Mobilfunk: Schneller als ISDN (64 kbit/s), aber bei weitem nicht so schnell wie DSL. Funktioniert auch nur, wenn UMTS verfügbar ist. Immer günstiger werdende Flatrates bei T-Mobile, Vodaphone, E-Plus und O2.

• TV-Kabel: Geht in Solingen nur in Wohnungen des Spar- und Bauvereins, weil der mit WTC zusammenarbeitet. Die übrigen Haushalte werden von Ish versorgt, das die erforderliche Aufrüstung des Kabelnetzes für Solingen noch nicht ins Auge gefasst hat.

• Satellit: Theoretisch, wo TV-Empfang möglich ist. Aber lange Reaktionszeiten.

• Stromnetz: Das Powerline-Pilotprojekt der Stadtwerke wurde nicht weitergeführt.

• Wimax: Fehlanzeige. Dagegen wird Wuppertal als eine der ersten Städte mit der neuen Hochleistungs-Funktechnologie versorgt.

Das Internetforum für DSL-geplagte Solinger: http://www.geteilt.de/fuer/ohligs

22.11.06
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