Schnelles Surfen als Standortfaktor

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Schnelles Surfen als Standortfaktor

Beitragvon Presse » 19.10.2006 16:41

Datum: 21.07.2005
Quelle: Chiemgau Online
Titel: Schnelles Surfen als Standortfaktor


Chiemgau Online hat geschrieben:Tacherting: Schnelles Surfen als Standortfaktor


Tacherting/Kienberg. Auf den weißen Flecken der heimischen DSL-Landkarte wachsen Ungeduld und teilweise auch Unmut darüber, dass man das viel beworbene Telekom-Angebot des schnelleren Surfens im Internet nicht nutzen kann. Während in Tacherting trotz langwieriger Bemühungen der Gemeinde nach wie vor nur begrenzte Aussicht auf baldige Online-Beschleunigung besteht, hofft man in Emertsham und Peterskirchen, in Kürze über einen privaten Anbieter DSL-kompatibel zu werden. Auch in Kienberg haben sich die Interessenten vom Monopolisten T-Online abgewandt und setzen auf DSL per Funk (siehe Bericht rechts).

Vor allem in der Gemeinde Tacherting wird die laut Telekom aus technischen und wirtschaftlichen Gründen nicht vorhandene DSL-Fähigkeit zum negativen Standortfaktor. Nicht nur, dass den meisten privaten Internetnutzern die herkömmlichen Modem- oder ISDN-Varianten zu langsam seien, so Bürgermeister Rudolf Schenkl. "Vor allem im gewerblichen Bereich ist eine schnelle Datenübertragung teilweise unabdingbar."

Otto Zach, der Vorsitzende des örtlichen Gewerbeverbandes, berichtet aus eigener Erfahrung als Elektroanlagen-Unternehmer in Emertsham: "Wir haben rund 20 PC-Arbeitsplätze, über die immer mehr Arbeitsabläufe vollzogen und immer größere Datenmengen übertragen werden. Wenn man dann eine mehrere Megabyte große Datei herunterlädt, wird der ganze Betrieb eine halbe Stunde lang verlangsamt und blockiert. Das ist eigentlich untragbar." Eine Gemeinde, die neues Gewerbe ansiedeln wolle, sei ohne DSL klar im Nachteil, so Zach. Nicht nur Softwarefirmen, auch Versicherungen oder andere Betriebe würden das mindestens 54 Mal schnellere DSL (Digital Subscriber Line) als infrastrukturelle Grundvoraussetzung benötigen. Der örtliche VW-Händler zum Beispiel, so Zach, könne nicht einmal mehr ins firmeneigene Intranet gelangen, weil dieses nur noch über DSL erreichbar sei.

In Tacherting wurden schon mehr als 120 Unterschriften gesammelt, um der Telekom die große Nachfrage zu verdeutlichen und Druck zu machen. "Das sind immerhin alles potenzielle Kunden", so Rudolf Schenkl. Bislang habe das Unternehmen aber noch nicht reagiert und darauf verwiesen, dass die nötigen technischen Voraussetzungen nicht gegeben seien.

Nicht alle Tachertinger befinden sich im DSL-Niemandsland: Bürgermeister Schenkl beispielsweise, der in Richtung Wiesmühl im 08634-Vorwahlbereich von Garching zu Hause ist, oder im Süden die Internetnutzer, die nicht weiter als 4,5 Kilometer von der Verteilerstation in Trostberg entfernt wohnen, können das T-DSL-Angebot in Anspruch nehmen.

Um aber das Reichweitenproblem mit der Maximaldistanz von 4,5 Kilometern zu lösen und auch den Ortskern von Tacherting zu versorgen, müsste die Telekom laut Wilhelm Czauderna von der Pressestelle in München eine enorm große Investition tätigen. "Und nachdem wir DSL natürlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten anbieten müssen, ist eine Baumaßnahme hier nur denkbar, wenn sich die Gemeinde finanziell beteiligt", wobei er an einen sechsstelligen Zuschussbetrag denke. Eine Aussage, die bei Bürgermeister Schenkl auf wenig Gegenliebe stößt. "Das kommt natürlich nicht in Frage. Wir haben uns nach den Absagen aus München mittlerweile auch schon an die Telekom in Berlin gewandt, wo alles nochmal geprüft wird und uns zumindest etwas Hoffnung gemacht wurde, dass es doch etwas werden könnte mit einer Signalverstärkung für Tacherting. Wir haben eben den Nachteil, dass wir eine Flächengemeinde mit großen Distanzen zu den jeweiligen Verteilerstationen sind", sieht es Schenkl.

Wilhelm Czauderna betont, dass der Landkreis Traunstein eigentlich sehr gut versorgt sei: "91 Prozent aller Internetanschlüsse haben theoretisch DSL-Zugriff, und wir haben von Anfang an gesagt, dass es nicht unser Ziel oder unsere Verpflichtung sein kann, hier eine 100-prozentige Versorgung für jedes Dorf zu erreichen." Man müsse auch immer die Wirtschaftlichkeit und die tatsächliche Zahl der Kunden betrachten, schließlich würden nicht alle Internetnutzer auch DSL in Anspruch nehmen. Von 38 Millionen Anschlüssen bundesweit versorge man derzeit 6,4 Millionen mit der digitalen Technik.

Auch der 08622-Vorwahlbereich von Emertsham und Peterskirchen erschien der Telekom bislang nicht lukrativ genug, um den technischen Aufwand für eine DSL-Bereitstellung zu betreiben. Deshalb haben Otto Zach und andere Interessenten - "nachdem wir die Hoffnung schon fast aufgegeben hatten" - die Initiative ergriffen und Kontakt zum privaten Anbieter M-Vox aufgenommen. Mit Erfolg, denn dieser hat sich bereit erklärt, die DSL-Technologie unter Benutzung der bestehenden Telekom-Telefonleitungen von der Verteilerstation in Peterskirchen aus zur Verfügung zu stellen. Voraussetzung sind mindestens 50 Fix-Kunden, um die sich Otto Zach und Co. nun bemühen.

Eine Lösung für das Telefonkabelnetz des Ortes Tacherting könne aber selbst dieser Privatanbieter nicht bewerkstelligen, so dass hier wohl nur die Alternative DSL über Funk bleibe, so Otto Zach. "Nachdem dies aber mit dem Aufstellen von Antennen verbunden ist, sollte das doch eher die Gemeinde in die Hand nehmen, um schon im Vorfeld mögliche Bedenken auszuräumen."

"Das ist wegen möglicher Strahlenbelastung immer ein heikles Thema", sieht es Bürgermeister Schenkl. "Aber wenn unser Nachhaken bei der Telekom wieder nichts bringt, dann werden wir die Alternative Funk sicher prüfen."

Übrigens hat sich mittlerweile sogar eine bundesweite "Initiative gegen digitale Spaltung" gegründet. Im Internet kann man sich unter http://www.geteilt.de über deren Forderung nach "DSL für alle" informieren.tt.
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