Brief an MdB mit Positionspapier Glasfaserausbau

Schreiben an die Verantwortlichen

Brief an MdB mit Positionspapier Glasfaserausbau

Beitragvon bru62 » 21.05.2015 17:29

Nach alter Tradition habe ich mich mal hingesetzt und den Bundestagsabgeordneten, die sich in ihrer Fraktion mit dem Thema Breitband befassen, eine nachfolgende Mail geschickt. Angehängt habe ich das Positionspapier. Mal sehen, was die Dame und die Herren uns zu schreiben haben.

Sehr geehrte/r Frau / Herr,

der Breitbandausbau in Deutschland geht nicht schnell genug voran. Das finden nicht nur wir als Bundesverband Initiative gegen digitale Spaltung -geteilt.de- e. V. Das finden zahlreiche Experten, wovon jede Menge Veröffentlichungen zeugen. Um nicht falsch verstanden zu werden: Es wird viel getan. Im Gegensatz zu früheren Zeiten wird dem Thema inzwischen eine hohe Bedeutung beigemessen. Das sehen wir durchaus. Doch wir denken, dass es nicht ausreicht. Deshalb möchten wir nach einiger Zeit erneut den Kontakt mit Ihnen zu suchen und unsere Argumente darlegen. Wir möchten den Dialog suchen und Denkanstöße unterbreiten.

Wir kritisieren dabei nicht nur das zu geringe Tempo des Ausbaus. Wir denken auch, dass aktuell ein völlig falscher Ansatz verfolgt wird. Mit Vectoring, g.Fast, DOCSIS, LTE u. a. wird auf Technologien gesetzt, die vielleicht kurzfristig Gewinn versprechen, mittelfristig für den größten Teil der Bevölkerung vermutlich auch eine ausreichende Versorgung gewährleisten, aber schon bald den wachsenden Anforderungen nicht mehr genügen werden. Alle genannten Techniken beinhalten systembedingte Mängel. Um nur einige Beispiele zu nennen: Sei es die fehlende Synchronizität zwischen Down- und Upload. Sei es die Aufteilung verfügbarer Bandbreite in Funkzellen auf unbestimmbare Nutzerzahlen. Sei es die bandbreitenfressende Dämpfung auf Kupfer-Hausanschlussleitungen. Allen Techniken gemeinsam ist zudem die fehlende Flächendeckung. Oftmals existieren in Ballungsräumen mehrere Angebote parallel, abseits der Metropolen jedoch mitunter gar keines.

Wir kennen die Absichtserklärung der Bundesregierung. Bis 2018 sollen in ganz Deutschland mindestens 50 Megabit pro Sekunde (Download) verfügbar sein. Wir denken aber, diese Zielmarke - selbst wenn sie erreicht wird, woran Zweifel durchaus erlaubt sind - wird dann schon wieder hinter den tatsächlichen Anforderungen zurückbleiben. Wir sehen deshalb diesen Plan wie alle vorherigen als nicht ambitioniert genug an. Notwendig ist es aus unserer Sicht, heute Weichen zu stellen, die hin zu einem flächendeckenden Glasfaserzugangsnetz führen. Allein dieses Netz wird in der Lage sein, alle heute denkbaren Anforderungen zu erfüllen. Vor allem aufgrund der hohen Kosten handelt es sich wohl um eine Generationenaufgabe. Sie wird sich über wenigstens ein Jahrzehnt hin erstrecken. Aber man muss einmal damit anfangen. Zu warten, bis sich die entsprechende Nachfrage zeigt, halten wir für falsch. Damit würde man nur wieder Zeit verlieren. Man würde wieder reagieren, statt vorsorglich zu agieren. Andere Länder sind uns da längst voraus. Ein heute verbreitet anzutreffendes Vertrauen auf wettbewerbsgetriebene Lösungen ist nicht zielführend, wie uns die Vergangenheit lehrt. Notwendig ist ein planmäßiges Vorgehen, wie wir es aus anderen Bestandteilen der Infrastruktur kennen.

Wir haben unsere Gedanken zu einem solchen Plan und wie er umgesetzt werden kann, in einem Positionspapier nieder geschrieben. Dieses möchten wir Ihnen anbei zur Kenntnis geben. Wir wissen, dass es sich dabei lediglich um Denkanstöße handelt. Aber wir glauben, dass vieles sich lohnt, weiterentwickelt zu werden.

Wir hoffen, dass wir mit unseren Vorschlägen den Input für einen zielführenden Dialog gegeben haben. Wir möchten gern mit Ihnen darüber weiter diskutieren. Insofern freuen wir uns auf Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen
Bernd Rudolph
2. Vorsitzender des Bundesverbandes Initiative gegen digitale Spaltung -geteilt.de- e. V.
www.geteilt.de

P. S.
Wir veröffentlichen gewöhnlich Schreiben des Bundesverbandes und Antworten darauf in unserem Forum. Sollten Sie dies nicht wünschen, bitten wir Sie um einen kurzen Vermerk.


Angeschrieben wurden:
CDU/CSU
ulrich.lange@bundestag.de
thomas.jarzombek@bundestag.de
Andreas.Nick@bundestag.de (Dr.)
SPD
martin.doermann@bundestag.de
lars.klingbeil@bundestag.de
klaus.barthel@bundestag.de
thomas.jurk@bundestag.de
Linke
herbert.behrens@bundestag.de
Grüne
tabea.roessner@bundestag.de

Gruß
______________
bru62
ehemals 2. Vorsitzender des Bundesverbandes Initiative gegen digitale Spaltung -geteilt.de- e. V.

Diskriminierungsfreies "Breitband für alle" wird es nur geben, wenn Menschen sich dafür engagieren.
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