BREKO: "Das Jahr der 'letzten Meile'

Neuigkeiten zum Thema Telekommunikation und Breitband

BREKO: "Das Jahr der 'letzten Meile'

Beitragvon News » 09.02.2013 17:10

Der BREKO hat seinen Jahresplan für 2013 festgelegt und dazu am 07.02.2013 folgende Pressemitteilung veröffentlicht:

Das Jahr der „letzten Meile“: BREKO legt Marschroute für 2013 fest

Gestern legte der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) auf seinem jährlichen Kick-off die Marschroute für das Jahr 2013 fest. Neben Vectoring wird sich der größte Festnetzbetreiberverband in Deutschland vor allem den Mietpreisen und der Bereitstellungsqualitäten der Teilnehmeranschlussleitungen (TAL) - der so genannten letzten Meile - widmen. Der BREKO machte gegenüber der Vielzahl der anwesenden Mitgliedsunternehmen klar, dass nun die Bundesnetzagentur die Chance hat, den hart erkämpften Infrastrukturwettbewerb zu sichern.

Bonn, 7. Februar 2013: Zur Jahreswende hat die Telekom einen Großangriff auf den Infrastrukturwettbewerb in Deutschland gestartet. Zunächst hat der Ex-Monopolist im vergangenen Dezember bei der Bundesnetzagentur einen Antrag auf Änderung der Regulierungsverfügung für den Einsatz von Vectoring eingereicht, der in Wirklichkeit darauf abzielt, den Wettbewerbern den Zugang zur „letzten Meile“ umfangreich zu verweigern und deren Investitionen in den Breibandausbau zu entwerten. Dann folgte Mitte Januar ein Antrag auf eine gut 25-prozentige Erhöhung der monatlichen TAL-Entgelte. „Die Bundesnetzagentur steht damit in den kommenden Monaten vor erheblichen Weichenstellungen für die Zukunft des TAL-basierten Infrastrukturwettbewerbs. Sie hat aber auch gleichzeitig die Chance durch klare Entscheidungen, die seit über 15 Jahren erfolgreichen Geschäftsmodelle des Wettbewerbs zu erhalten beziehungsweise für die Zukunft Perspektiven zu eröffnen“, sagte Ralf Kleint, BREKO-Präsident, gestern auf dem Kick-off.

Die Veranstaltung des Verbandes – Sponsor war BREKO-Mitgliedsunternehmen CISCO – stand ganz im Zeichen des Breitbandausbaus in Deutschland. Sie machte vor allem klar, wie wichtig es ist, dass die Bundesnetzagentur in Sachen Entgeltverfahren die ökonomischen Grundlagen und Perspektiven des TAL-Wettbewerbs sichert. „Es liegt nun am Regulierer, durch eine deutliche Absenkung der Entgelte für die letzte Meile und insbesondere für den Zugang am Kabelverzweiger (KVz) ein Zeichen für weitere wettbewerbliche Investitionen zu setzen. Da fast ausschließlich die Wettbewerber die weißen Flecken mit Hochgeschwindigkeitsnetzen erschließen, werden auch die ambitionierten Breitbandziele der Bundesregierung nur zu erreichen sein, wenn man den Wettbewerbern über eine Absenkung des TAL-Preises die hierfür notwendigen Investitionsmittel belässt“, betonte Dr. Stephan Albers, Geschäftsführer des BREKO.

Eine weitere Chance zur Stärkung des Infrastrukturwettbewerbs liegt für die Bundesnetzagentur in der ebenfalls anstehenden Neuregelung des Standardvertrages, der den rechtlichen Rahmen des Zugangs zur Teilnehmeranschlussleitung bestimmt. „Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass es für einen reibungslosen Anbieterwechsel – und damit auch im Sinne der Verbraucher – dringend notwendig ist, den vertraglichen Rahmen für die Übernahme der Teilnehmeranschlussleitung durch einen Wettbewerber zu optimieren und dort insbesondere die dringend notwendigen Maßnahmen zur Sicherung der Bereitstellungs- und Entstörqualität umzusetzen“, nimmt Kleint den Regulierer auch hier in die Pflicht.

Nachdem die Verbandsspitze den über 140 geladenen Mitgliedsunternehmen den BREKO Fahrplan 2013 vorgestellt hatte, sprach sich Keynote-Sprecher Dr. Karl-Heinz Neumann, Geschäftsführer und Direktor des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK), für den Wettbewerb aus: „Die Entscheidungen zu Vectoring werden bestimmen, wie der Wettbewerb der nächsten zehn Jahre in Deutschland aussehen wird. Entscheidend ist es, einen Investitionswettbewerb um Vectoring zu initialisieren. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die alternativen Netzbetreiber in Relation zur Wertschöpfung viermal so viel wie der Ex-Monopolist investieren.“

Den Abschluss des jährlichen Kick-Offs bildete eine Workshop-Reihe, bei der CISCO seine Serviceleistungen rund um eGovernance unter dem Stichwort smart + connected communities vorstellte. Einblicke gab es auch zu dem erweiterten Produkt-Portfolio der BREKO Einkaufsgemeinschaft eG - eine Initiative des BREKO. Neben bereits etablierten Mobilfunkprodukten soll es ab April 2013 IPTV, Multiscreen und Apps mit regionalem Content als White Label Lösung geben.
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Re: BREKO: "Das Jahr der 'letzten Meile'

Beitragvon Meester Proper » 09.02.2013 22:16

News hat geschrieben:„Da fast ausschließlich die Wettbewerber die weißen Flecken mit Hochgeschwindigkeitsnetzen erschließen, werden auch die ambitionierten Breitbandziele der Bundesregierung nur zu erreichen sein, wenn man den Wettbewerbern über eine Absenkung des TAL-Preises die hierfür notwendigen Investitionsmittel belässt“, betonte Dr. Stephan Albers, Geschäftsführer des BREKO.
Nur komisch, dass ich von den Ausschreibungen, von denen ich höre, meist 80% die Telekom gewinnt. Im Vectoring-Antrag der Telekom heißt es auch:

Von Wettbewerbern der Betroffenen werden hingegen bisher (Stand: Oktober 2012) rur ca. 140.000 KVz-TAL betrieben, davon ca. 100.000 mit VDSL2, d.h. unter Einsatz des Übertragungsverfahrens H18. Hierzu sind die Wettbewerber an ca. 8.200 von insgesamt 330.000 KVz der Betroffenen kollokiert, d.h. an gut 2% der KVz. Der Zugang zum Teilnehmeranschluss wird daher nur in sehr un­ tergeordnetem Umfang für das Angebot von breitbandigen Diensten und damit für den Ausbau von hochleistungsfähigen öffentlichen Telekommunikationsnet­ zen der nächsten Generation genutzt.
Ich weiß nicht, wie man mit 2% erschlossenen Kvz sagen kann, dass man selber nur ausschließlich investieren würde. Investitionen in FTTH/FTTB Netze gibt es bekanntermaßen auch nur sehr regional begrenzt, dort können als auch nicht die „riesigen Investitionen" der BREKO-Mitglieder liegen. Laut meiner Erfahrung gibt es nur einen Wettbewerber, der in Brandenburg investiert und nicht nur ein oder zwei Ortsnetze betreibt. Dieser Wettbewerber ist DNS:NET, dieser ist aber noch nicht einmal BREKO-Mitglied. Kann mir also einer sagen, welches BREKO-Mitglied bspw. in Brandenburg die großen Investitionen tätigt?
Meester Proper
 

Re: BREKO: "Das Jahr der 'letzten Meile'

Beitragvon bru62 » 11.02.2013 11:15

Offenbar verfährt man nach der alten Parole, dass man eine Forderung nur oft genug wiederholen muss, damit sie geglaubt wird. Und "Wettbewerb" klingt einfach immer gut. Schön, dass du mit so einfachen Fakten Klarheit schaffst. Danke.

Gruß
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Re: BREKO: "Das Jahr der 'letzten Meile'

Beitragvon grapevine » 11.02.2013 11:33

Nur komisch, dass ich von den Ausschreibungen, von denen ich höre, meist 80% die Telekom gewinnt.


Wenn man sich z.B. die veröffentlichte Liste der Förderbescheide in Bayern anschaut, dann ist die Telekom zwar der größte Einzelakteur, aber von 80% ist sie doch sehr weit entfernt.

Ich weiß nicht, wie man mit 2% erschlossenen Kvz sagen kann, dass man selber nur ausschließlich investieren würde.


Laut den Angaben des BREKO (siehe deren Stellungnahme) beträgt die Verteilung auf dem Land 90% (Wettbewerb) zu 10% (Telekom). Ballungsräume sind bei der Betrachtung der Breitbandziele eben völlig uninteressant.
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Re: BREKO: "Das Jahr der 'letzten Meile'

Beitragvon spokesman » 11.02.2013 23:11

BREKO hat geschrieben:Zunächst hat der Ex-Monopolist im vergangenen Dezember bei der Bundesnetzagentur einen Antrag auf Änderung der Regulierungsverfügung für den Einsatz von Vectoring eingereicht, der in Wirklichkeit darauf abzielt, den Wettbewerbern den Zugang zur „letzten Meile“ umfangreich zu verweigern und deren Investitionen in den Breibandausbau zu entwerten.
Und so gestaltet jeder seine eigene Wirklichkeit.


grapevine hat geschrieben:
Meester Proper hat geschrieben:Nur komisch, dass ich von den Ausschreibungen, von denen ich höre, meist 80% die Telekom gewinnt.

Wenn man sich z.B. die veröffentlichte Liste der Förderbescheide in Bayern anschaut, dann ist die Telekom zwar der größte Einzelakteur, aber von 80% ist sie doch sehr weit entfernt.
mnet, lew und andere stadtwerkeähnlichen Gebilden machen den Rest? Wenn wir in dieser Betrachtung die öffentlichen Mittel mal außen vor lassen würden ergibt sich schnell eine weitere Wirklichkeit, in diesem Fall schätze ich, dass die Telekom kaum tätig geworden wäre.

Interessant an der Stelle wirkt auf mich zudem die Darstellung des unabhängigen Wissenschaftliches Institut für Infrastruktur
und Kommunikationsdienste GmbH
BREKO/WIK hat geschrieben:„Die Entscheidungen zu Vectoring werden bestimmen, wie der Wettbewerb der nächsten zehn Jahre in Deutschland aussehen wird. Entscheidend ist es, einen Investitionswettbewerb um Vectoring zu initialisieren. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die alternativen Netzbetreiber in Relation zur Wertschöpfung viermal so viel wie der Ex-Monopolist investieren.“
Sprich düstere Zeiten für den Glasfaserausbau, eher wird hier über das Aufbohren der Technik von gestern gesprochen.

Wenn man ein paar Sätze auf der Seite des WIK entfernt ergibt sich aus dem Bild des wissenschaftlichen, unabhängigen Institutes ein für mich klarer Ausschluss:
WIK hat geschrieben:... Dem gestiegenen Bedarf an wissenschaftlich fundierter Unternehmensberatung wollen wir gezielt Rechnung tragen und uns noch stärker an den Anforderungen des Marktes ausrichten. ...

... Doch bei aller Dynamik bleiben wir uns treu. Die Wissenschaft gibt unverändert den Takt vor, bestimmt unser Denken, unser Handeln, unsere Empfehlungen. Qualität, Validität und Unabhängigkeit werden auch künftig die Maßstäbe unserer Arbeit sein. Sie, als unser Auftraggeber und Partner, können sich auf unsere Ergebnisse verlassen. ...


Ich hab mir mal wieder die Mitglieder des BREKOs angeschaut, erstaunlich viele Stadtwerke, welche Verbände finanzieren die anschließend Bundesgesetze im Sinne von privatwirtschaftlichen Unternehmen durch Lobbying gestalten. Sehr interessant welche Möglichkeiten zur Arbeitsplatzsicherung hier geschaffen werden. Bürgermeister/Stadtrat von Partei xyz finanziert Lobbyverbände, welche durch ihre Mitgliedsunternehmen Stellen für scheidende Abgeordnete der Partei xyz schafft. Findet hier eigentlich eine Enkopplung statt indem die Stadtwerke zu GmbHs gemacht wurden? Dies dürfte ja nur der Fall sein, wenn ein Stadtwerk bereits unter mehrheitlichen Besitz steht.
Ich kann mich an eine Kreistagssitzung erinnern in der eine lebhafte Debatte entbrannt ist, als es um die Mitgliedschaft und damit Mitfinanzierung in der "Gesellschaft zur Förderung umweltgerechter Straßen- und Verkehrsplanung" ging. Die damalig Landrätin sagte etwas in dieser Richtung geschildert "die haben Angefragt, dann machen wir das mal - es geht ja am Ende um unsere Autobahnanbindung", prompt wurde mit LobbyControl gekonntert, selbst Wikipedia zeigt in diesem Fall den Finanzlauf auf. Das wäre ein weiterer Landkreis gewesen, welcher Steuergelder in Stimmungsmache investiert hätte und dabei ein Stück Demokratie aus der Hand gegeben hätte. Und jetzt blicken wir auf den BREKO mit seinen Stadtwerken als Mitgliedsunternehmen zurück, dies betrifft natürlich auch andere Verbände - nach meiner Ansicht schwer vereinbar.. (zumal nicht Zweckgebunden)
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