Nach diesem Artikel schlägt der relativ kleine Datensatz schon gehörig zu Buche.
Tino Zippel, OTZ hat geschrieben:Schnell nur auf dem Papier
In vielen Regionen Thüringens klemmt es mit schnellen Internetanschlüssen
Von OTZ-Redakteur Tino Zippel Jena. Alles Paletti beim schnellen Internet. Dieser Eindruck entsteht jedenfalls bei einem Blick auf die aktuelle Netzabdeckung in Thüringen.
Eine DSL-Verfügbarkeit für 97,5 Prozent der Haushalte vermeldet die Deutsche Telekom etwa für Jena. Auch der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt marschiert mit 97,1 Prozent vornweg. Doch die hohen Werte haben einen Haken. Als Breitbandanschluss gilt schon eine Geschwindigkeit von 384 Kilobit pro Sekunde. "Das ist viel zu langsam, um flüssige Videos zu laden", sagt Martin Fornefeld vom Jenaer Unternehmen Konext. Ein Minimum von einem Megabit sei nötig, um von einem breitbandigen Anschluss zu sprechen.
Telekomsprecher Jürgen Will verteidigt die Angaben. "Das Bundeswirtschaftministerium hat diese Grenze vorgegeben, an die wir uns halten", erläutert er, wie die Statistik zustande kommt. Die Tücke zeigt sich exemplarisch bei der Stadt Jena. 97,5 Prozent Haushaltsabedckung sind zwar angegeben, mindestens ein Megabit Leistung kann der Konzern aber nur 84 Prozent der Haushalte bieten.
Damit erreicht die Stadt noch eine sehr gute Abdeckung im Vergleich zu einigen Landkreisen. Je weiter ein Anschluss von der nächsten Vermittlungsstelle entfernt liegt, desto geringer ist die Geschwindigkeit des Internets. Schlechte Karten also für einsam gelegene Dörfer, die in ländlichen Regionen nun einmal häufiger vorkommen.
"Der fehlende Breitbandanschluss wird schnell zum Standortnachteil", erläutert Fornefeld. In einer Studie stellt sein Unternehmen Micus, Gesellschafter von Konext, eine Abwärtsspirale vor, die in Gang kommt, wenn in einer Kommune kein schnelles Internet anliegt. Junge, qualifizierte Menschen wandern ab, die Unternehmen ziehen um. Mit der sinkenden Wirtschaftskraft sinken auch die Immobilienpreise. "Eine Zukunft ohne Breitband ist nicht denkbar."
Nun soll das Konjunkturpaket den Ausbau vorantreiben. Ziel ist, bis spätestens Ende 2010 auch in Thüringen die bislang nicht versorgten Gebiete mit leistungsfähigen Breitband-Anschlüssen abzudecken. Spätestens 2014 sollen drei Viertel der Haushalte, bis 2018 alle Haushalte, mit Übertragungsraten von mindestens 50 Megabit pro Sekunde ans Netz angeschlossen sein. "Allerdings reichen die Zuschüsse für die Kommunen nicht aus", sagt der Ostthüringer CDU-Bundestagsabgeordnete Volkmar Vogel. Bislang beträgt der Zuschuss bis zu 60 Prozent der Wirtschaftlichkeitslücke. Laut Vogel wären 90 Prozent nötig. Weiteres Problem: "Die Bürgermeister beklagen bürokratische Hürden, um das Breitband-Projekt umzusetzen."
Ein Punkt, den Konext aufgreift. Das Jenaer Unternehmen hilft Bürgermeistern dabei, die komplizierten Anträge auf den Weg zu bringen. Die Firma analysiert, wieviele Bürger und Unternehmen das schnelle Internet nutzen wollen. "Entsprechend wählen wir die Strategie für die Versorgung", sagt Fornefeld. Schließlich kommen neben kabelgebundenen Technologien noch andere Wege, beispielsweise via Satellit oder Mobilfunk, infrage. "Wichtig ist, dass die Einwohner von nicht versorgten Orten ihrem Bürgermeister auf die Füße treten", sagt Fornefeld.
Das Unternehmen stellt zudem eine Plattform im Internet bereit, um den Bedarf an schnelleren Leitungen zu ermitteln. Die meisten Teilnehmer stammen bislang aus Jena, wo 129 Personen Bedarf für einen schnelleren Webzugang anmeldeten - Jena, das doch laut Statistik Musterschüler in Sachen DSL ist.
>> http://www.jetztansnetz.de Abdeckung schnelles Internet:
Anteil der Haushalte, die mit mindestens 384 Kilobit pro Sekunde surfen können*:
Jena 97,5 % Saalfeld-Rudolstadt 97,1 % Gera 96,0 % Landkreis Greiz 94,2 % Saale-Orla-Kreis 91,2 % Altenburger Land 91,2 % Saale-Holzland-Kreis 90,2 % *Zahlen der Deutschen Telekom
29.03.2009

