PM: Versteigerung der DD – Realismus angemahnt

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PM: Versteigerung der DD – Realismus angemahnt

Beitragvon Presse » 12.10.2009 17:54

Pressemitteilung vom 12.10.2009:

Versteigerung der digitalen Dividende – Realismus angemahnt
Die Initiative gegen digitale Spaltung -geteilt.de- begrüßt grundsätzlich alle Schritte zu einer Verbesserung der Breitbandversorgung. Die heutige Entscheidung des Beirates der Bundesnetzagentur zur Versteigerung der Frequenzen der digitalen Dividende betrachtet sie jedoch eher als Bau von Luftschlössern und mahnt deshalb zu realistischer Betrachtung der tatsächlichen Möglichkeiten. Ob es sich wirklich um einen „Meilenstein für die Versorgung des ländlichen Raums mit schnellem Internet“ handelt, wie es Beiratsvorsitzender Junghanns nannte, wird sich schon bald zeigen. Bernd Rudolph, einer der Sprecher der Initiative: „Im allgemeinen Freudentaumel vergisst man offenbar, die ganze Wahrheit zu sagen. Dabei gibt es nicht wenige technische und rechtliche Hindernisse, die einfach ignoriert werden.“ So ist die vorgesehene Ausbauverpflichtung alles andere als der große Wurf. Die Auflage sieht vor, dass der Ausbau in weiteren Gebieten erst erfolgen darf, wenn wenigstens 70 Prozent der Kommunen unter 5.000 Einwohnern versorgt sind. „Das ist völlig unverbindlich und in der Höhe unzureichend. Für die Bürger in den unversorgten Kommunen ist damit keinerlei Gewähr auf eine baldige Versorgung gegeben. Aus der geflopten Vergabe der Wimax-Frequenzen hat man offenbar nichts gelernt“, meint Rudolph.

Außerdem sind bei der Verwendung der Frequenzen technische Grenzen zu beachten, die in den Jubelarien völlig untergehen. Selbst bei der Verwendung der noch gar nicht für den breiten Markt vorhandenen LTE-Technologie kann man nur wenige hundert Teilnehmer in einer Funkzelle mit Datenraten um ein Megabit/Sekunde versorgen. Mit steigender Datenrate sinkt die Zahl dramatisch ab. Rudolph: „Die Frequenzen taugen sehr gut für den mobilen Zugang zum Internet, als Festnetzersatz sind sie auf Dauer total ungeeignet.“

Die Bundesregierung hat sich mit ihrer Breitbandstrategie ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt. Dabei ist das ausgegebene Ziel von einem Megabit/Sekunde für alle im internationalen Maßstab eher halbherzig. Trotzdem ist absehbar, dass der Plan nicht aufgeht. Rudolph: „Die Unternehmen, allen voran die Deutsche Telekom ziehen nicht mit. Und die notwendige Konsequenz, sie gesetzlich dazu zu verpflichten, scheut die Regierung. Deshalb ist die digitale Dividende offenbar der einzige verbliebene Hoffnungsschimmer.“

Dabei schiebt man schon mal alle Bedenken beiseite, die mit Recht im Vorfeld zur Ungerechtigkeit der Vergaberegeln selbst von der EU geäußert wurden. Es ist jetzt zu erwarten, dass neben den kleinen Mobilfunkanbietern auch die von technischen Störungen bedrohten Rundfunkanbieter und die um ihre Existenz bangende Kulturindustrie sehr genau auf die Noten sehen werden und mit Sicherheit die Gerichte anrufen werden, wenn ihre Rechte beschnitten werden. „Dann hat man auf jeden Fall auch einen Schuldigen, wenn sich der Breitbandausbau weiter verzögert. Das ist ziemlich geschickt eingefädelt. Am Ende wird man feststellen müssen, dass wieder wertvolle Zeit vertan wurde und Deutschland den internationalen Anschluss weiter verliert. Die digitale Spaltung der Gesellschaft indes vertieft sich immer weiter.“, sagt Rudolph abschließend.
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Re: PM: Versteigerung der DD – Realismus angemahnt

Beitragvon Haupti76 » 12.10.2009 18:04

Diese PM war fällig. Es bringt alles auf den Punkt. Es wird endlich mal wieder Zeit, daß sich mehr Medien diesem Thema widmen.
Aber bitte objektiv und kritisch!
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Re: PM: Versteigerung der DD – Realismus angemahnt

Beitragvon essig » 12.10.2009 21:45

besser und richtiger kann man es nicht zusammenfassen. wenn dies dann noch zumindest einige medien in ihre recherchen (wenn man das so nennen kann) einfließen lassen, dann wird alles gut. derzeit hat man eher den eindruck, dass viel zu viele medien (auch fachmedien) nur das schreiben was sie schreiben sollen.
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