dpa: "Funk kein Allheilmittel"

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dpa: "Funk kein Allheilmittel"

Beitragvon Presse » 14.06.2009 15:51

Zur Bundesratsentscheidung über die Frequenzplanzuweisungsverordnung berichten verschiedene Medien (darunter der Spiegel, der Stern und onlinekosten.de unter Berufung auf dpa (Peter Lessmann und Annika Graf). Die dpa-Meldung lautete:

Digitale Dividende: Kein Allheilmittel gegen DSL-Lücken

Düsseldorf (dpa) - Viele Bundesbürger auf dem Lande dürfen aufatmen - das Warten auf einen schnellen Internetanschluss soll bald ein Ende haben. Das meint jedenfalls die Bundesregierung. Und der Bundesrat machte am Freitag den Weg frei für die entsprechenden Pläne. Mit der Nutzung von freien Frequenzen aus der Umstellung auf den digitalen Rundfunk, der sogenannten digitalen Dividende, könnten jetzt bis in die letzten Winkel der Republik die weißen Flecken in der Breitbandversorgung verschwinden. Schnelles Surfen, das Herunterladen von Dateien, Musik und Videos mit Höchstgeschwindigkeit könnte bald für jedermann möglich werden.

Doch Experten warnen: Als Wundermittel zur Überwindung der digitalen Kluft in der Breitbandversorgung sei die digitale Dividende nicht geeignet. Schon seit Jahren wird der Ausbau von schnellen Internetanschlüssen in der Fläche gefordert. Vor allem in dünn besiedelten Regionen, unter anderem in Ostdeutschland, sind derzeit viele Haushalte und Unternehmen vom schnellen Internet abgeschnitten.

Bislang schreckten Telekom-Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen davor zurück, solche Anschlüsse zu legen. Rund fünf Millionen Menschen in bis zu mehr als 5000 Gemeinden oder rund acht Prozent aller Haushalte sollen nach Angaben von Experten derzeit noch keinen Breitbandzugang haben. Die digitale Dividende soll Abhilfe schaffen.

Mit der Bundesratszustimmung steht zumindest die Voraussetzung für die flächendeckende Versorgung mit Breitband-Verbindungen auch in ländlichen Regionen. Die Bundesregierung will bis Ende 2010 schnelles Surfen im Internet in ganz Deutschland ermöglichen - unter anderem sollen deshalb freigewordene Rundfunkfrequenzen für die Breitband- Internetverbindungen genutzt werden.

Bernd Rudolph von der Initiative gegen digitale Spaltung hält von vollmundigen Versprechungen allerdings wenig. «Die digitale Dividende ist kein Allheilmittel und auch nicht der große Wurf», sagt er und befürchtet: «Ganz im Gegenteil, die digitale Spaltung des Landes wird sich vertiefen». Tatsächlich sind die angestrebten Bandbreiten von 1 Megabit pro Sekunde im Vergleich zu den Raten in Ballungsgebieten, wo inzwischen bis zu 100 Megabit erreicht werden, nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Auch Harald Summa, Geschäftsführer des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft in Köln warnt vor überzogenen Hoffnungen. «Die Funkfrequenzen sind eine Möglichkeit, in dünn besiedelten Gebieten kostengünstig Verbindungen herzustellen». Es sei eine Chance, diese Technologie zu etablieren, nachdem in der Vergangenheit alle anderen kläglich gescheitert seien. Doch als der Weisheit letzter Schluss, hält Summa die digitale Dividende nicht. Um die unterschiedlichen Versorgungsgrade anzugleichen, müssten auch die Regionen langfristig mit Glasfaser angeschlossen werden.

Unterdessen warten die Mobilfunkanbieter auf ein Startzeichen. Vodafone, T-Mobile & Co haben seit längerem die Freigabe der Rundfunkfrequenzen gefordert. Vodafone-Chef Friedrich Joussen betonte mehrfach, bei der digitalen Dividende zugreifen zu wollen: Wenn das Unternehmen Frequenzen bekäme, «wird es 2010 keine weißen Flecken mehr geben», verspricht er. Die Konkurrenz hält sich noch bedeckt, wird das Geschäft aber nicht Vodafone allein überlassen wollen.

Loslegen können die Unternehmen vermutlich aber ohnehin erst 2010. Denn die Frequenzen müssen versteigert werden, voraussichtlich Anfang kommenden Jahres. Die Vorbereitung darauf nehme einige Monate in Anspruch, heißt es bei der Bundesnetzagentur. Unter den Hammer kommen dabei neben den Funkfrequenzen aus der digitalen Dividende gleich weitere Mobilfunkfrequenzen.

Obwohl die Versteigerung eine der größten Auktionen der Bundesnetzagentur sein wird, Erlöse in der Größenordnung der UMTS- Versteigerung im Jahr 2000 erwartet niemand. Damals hatte die spektakuläre Auktion, aufgepeitscht durch die Euphorie und einer nie dagewesenen Goldgräberstimmung in der Branche, rund 50 Milliarden Euro in die Staatskassen gespült
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