85232 Bergkirchen Fragen an die Bürgermeisterkandidaten

85232 Bergkirchen Fragen an die Bürgermeisterkandidaten

Beitragvon Dino75195 » 28.01.2026 19:32

8. März 2026 ist es wieder so weit: Kommunalwahlen in Bayern
Anbei eine allgemein formulierte Anfrage:

Sehr geehrte Kandidatin, sehr geehrter Kandidat für das Bürgermeisteramt,

im Vorfeld der anstehenden Wahl möchte ich mich als Bürger der Gemeinde Bergkirchen (PLZ 85232, Landkreis Dachau) mit einigen Fragen zur langfristigen digitalen Infrastruktur und zum Glasfaserausbau an Sie wenden.

Nach öffentlich zugänglichen Informationen wurde in Bergkirchen ab etwa 2011 ein Fernwärmenetz aufgebaut, in dessen Zuge große Teile des Gemeindegebiets und zahlreiche Straßen geöffnet wurden. Diese Maßnahmen hätten eine einmalige Gelegenheit geboten, Leerrohre oder Glasfaserinfrastruktur mitzulegen und damit frühzeitig die Grundlage für einen zukunftssicheren Breitbandausbau zu schaffen. Diese Möglichkeit wurde jedoch nicht genutzt.

Stattdessen erfolgte in den darauffolgenden Jahren – insbesondere ca. 2015 – ein Breitbandausbau auf Basis von VDSL-Technologie. Zwar konnten dadurch nominell höhere Bandbreiten erreicht werden, diese Technik gilt jedoch nicht als zukunftssicher, da sie weiterhin auf Kupferleitungen basiert und physikalisch begrenzt ist.

Heute sind mehrere Ortsteile der Gemeinde Bergkirchen weiterhin von einer unzureichenden Internetversorgung betroffen, teils mit Download-Geschwindigkeiten von nur rund 70 Mbit/s. Für einige Haushalte, Selbstständige und Betriebe stellt dies eine spürbare Einschränkung dar – insbesondere im Hinblick auf Homeoffice, digitale Bildung und wirtschaftliche Entwicklung.

Vor diesem Hintergrund bitte ich Sie um eine Stellungnahme zu folgenden Fragen:

1. Rückblick und Verantwortung
Wie bewerten Sie rückblickend die infrastrukturellen Entscheidungen der letzten rund 20 Jahre, insbesondere im Hinblick auf den Fernwärmeausbau ohne gleichzeitige Vorsorge für Glasfaser?

2. Zukunftssichere Bandbreite
Welche Bandbreite halten Sie persönlich für zukunftssicher für private Haushalte und Betriebe in den kommenden 5–10 Jahren?

3. Technologische Zielsetzung
Welche Rolle sollte aus Ihrer Sicht echte Glasfaser (FTTH/FTTB) gegenüber kupferbasierten Übergangstechnologien wie VDSL künftig spielen?

4. Europäische Zielvorgaben
Die Europäische Union strebt an, bis 2030 alle Haushalte flächendeckend mit Gigabit-Geschwindigkeiten zu versorgen, primär durch Glasfaser bis ins Haus (FTTH).
Wie stehen Sie zu diesem Ziel, und welche Konsequenzen ergeben sich daraus Ihrer Meinung nach konkret für Bergkirchen?

5. Lehren für zukünftige Projekte
Wie wollen Sie sicherstellen, dass bei künftigen Infrastruktur- und Tiefbaumaßnahmen (z. B. Straßenbau, Energie- oder Wärmenetze) digitale Infrastruktur von Anfang an mitgedacht und mitgeplant wird?

Dieses Schreiben wurde ohne Namensnennung im öffentlichen Forum der Plattform [http://www.geteilt.de](http://www.geteilt.de) veröffentlicht, um eine transparente und sachliche Diskussion zu ermöglichen. Ich bitte Sie daher um eine entsprechende Freigabe, falls ich Ihre Antwort – optional auch unter Nennung Ihres Namens – dort veröffentlichen darf.

Kurzvorstellung geteilt.de:
geteilt.de ist eine bundesweite Initiative gegen digitale Spaltung und engagiert sich seit über 20 Jahren für einen flächendeckenden, leistungsfähigen und bezahlbaren Breitbandausbau in Deutschland. Ziel ist digitale Teilhabe für alle Menschen – unabhängig vom Wohnort, Einkommen oder Anbieterinteressen. Seit zwei Jahrzehnten weist geteilt.de darauf hin, dass ein überwiegend wettbewerbsgetriebener und unkoordinierter Breitbandausbau ohne klare staatliche Zielvorgaben zu strukturellen Fehlentwicklungen führt. Die heutige Situation bestätigt diese Warnungen in vielen Regionen.

Ich danke Ihnen für Ihre Zeit und Ihre Bereitschaft zur Stellungnahme.

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Re: 85232 Bergkirchen Fragen an die Bürgermeisterkandidaten

Beitragvon Dino75195 » 29.01.2026 21:24

Antwort von Stefan Haas
Gemeinderat Bergkirchen, Kandidat für die Bürgermeisterwahl am 8.3.2026


Vorbemerkung:
Bisher bin ich meist nur Sender auf allen möglichen Social-Media-Kanälen sowie auf Plakaten und Flyern – recht umständlich.
Am 12. Februar findet um 19 Uhr in der Maisachhalle Bergkirchen eine Podiumsdiskussion mit Dagmar Wagner, Erich Oßwald und mir statt. Dort können auch vorab Fragen an die Dachauer Nachrichten geschickt werden.

1. Rückblick und Verantwortung
Wie bewerten Sie rückblickend die infrastrukturellen Entscheidungen der letzten rund 20 Jahre, insbesondere im Hinblick auf den Fernwärmeausbau ohne gleichzeitige Vorsorge für Glasfaser?

Der Gedanke ist richtig. Glasfaser wird meiner Erinnerung nach technisch anders verlegt, etwa minimal-invasiv in Gehwegen. Ohne dies wirklich behaupten zu wollen, dürfte es sehr unterschiedliche Strecken geben. Selbst Leerrohre sind eine Investition, die begründet sein muss.

In Lauterbach wurde das vor etwa zwei Jahren tatsächlich umgesetzt. Eine Strecke konnte dann gewinnbringend an die Telekom verkauft werden. Klar war das aber nicht – wir haben damals rund 80.000 € „auf gut Glück“ ausgegeben. Rückblickend hätte man da vermutlich mehr wagen müssen.

Ich vermute, dass sich Altbürgermeister Landmann damals, ab etwa 2011, sehr genau mit dem Thema auseinandergesetzt hat.

Beispiele wie die Gemeinde Schlehdorf zeigen, dass eine Kombination aus Nahwärme- und Glasfaserausbau möglich ist. Der entsprechende Artikel stammt allerdings aus dem Jahr 2025. Vor 15 Jahren hätte man echte Pionierarbeit leisten müssen. Wenn dabei eigenwillige Telekommunikationsunternehmen nicht gerne mitspielen, braucht es einen starken Willen und einen langen Atem.

Ich würde anmahnen, solche Möglichkeiten künftig besser zu prüfen und mehr Koordination umzusetzen – gerade wenn es Gemeinden gibt, die das vorleben.

2. Zukunftssichere Bandbreite
Welche Bandbreite halten Sie persönlich für zukunftssicher für private Haushalte und Betriebe in den kommenden 5–10 Jahren?

Die Bandbreite muss im Gigabit-Bereich liegen, technisch ist das auch kein Problem. Daneben spielen aber weitere Faktoren wie die Latenz eine Rolle. Wie Funktechnik und Glasfaser künftig zusammenspielen, geht weit in technische Details hinein – da muss man sich immer wieder einlesen.

In Parteien wie SPD oder Grünen gibt es Fachgremien (z. B. Landesarbeitsgruppen), in denen ehrenamtlich engagierte Fachleute politische Entscheidungen beraten. Hier berühren sich kommunale, Landes-, Bundes- und EU-Ebene.

3. Technologische Zielsetzung
Welche Rolle sollte echte Glasfaser (FTTH/FTTB) gegenüber kupferbasierten Übergangstechnologien wie VDSL künftig spielen?

Die Antwort steht im Grunde schon in der Frage. Mit Kupfer konnte man in den vergangenen Jahrzehnten noch vieles erreichen, aber die um Dimensionen überlegene Glasfaser ist hier die zentrale Lösung für viele Herausforderungen.

4. Europäische Zielvorgaben
Die EU strebt bis 2030 flächendeckende Gigabit-Anschlüsse an, primär über FTTH. Wie stehen Sie zu diesem Ziel und was bedeutet das konkret für Bergkirchen?

Das Ziel ist richtig. Gleichzeitig muss der Ausbau gezielt diejenigen erreichen, die ihn dringend brauchen. Mir ist aktuell nicht bekannt, ob es dazu konkrete Anfragen an die Gemeinde gibt – das kann aber auch jetzt über mich als Gemeinderat laufen. Bisher hat sich dazu niemand gemeldet.

Eine mögliche Konsequenz wäre, sich an die Staatskanzlei zu wenden und Förderungen anzumahnen oder das Thema auf Bundes- und EU-Ebene stärker zu adressieren. Förderprogramme durchlaufen mehrere Ebenen, wie man aktuell auch an Bundesprogrammen sieht.

5. Lehren für zukünftige Projekte
Wie stellen Sie sicher, dass digitale Infrastruktur bei künftigen Tiefbaumaßnahmen mitgedacht wird?

Ich setze voraus, dass daran grundsätzlich schon gedacht wird. Man scheitert weniger am Willen als an der Komplexität der Dinge. Genau daran mache ich aber den Unterschied fest.

In Wahlprogrammen steht vieles Ähnliches – fast jeder weiß, was sinnvoll wäre. Die eigentliche Herausforderung ist die Umsetzung: Zusammenarbeit, Fachwissen und Durchsetzungswille sind entscheidend. Zudem konkurriert digitale Infrastruktur mit anderen Themen der Daseinsvorsorge.

In der Verwaltung steht seit Jahren eine umfassende Digitalisierung an, und KI wird bald Einzug halten. Wir brauchen Gemeinderäte, die das mitdenken wollen und können, sowie einen Bürgermeister, der diese Themen aufnimmt oder selbst anstößt. Ebenso wichtig sind Bürgerinnen und Bürger, die konkrete Anliegen ansprechen.

Veröffentlichung
Die Antwort kann gerne veröffentlicht werden, auch namentlich.
Ich lasse sie zusätzlich noch von einem Ingenieur und einem Maschinenbaustudenten gegenlesen – eventuell kommt noch fachliche Kritik hinzu.

Beste Grüße
Stefan Haas
Gemeinderat Bergkirchen
Kandidat für die Bürgermeisterwahl am 8.3.2026
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Re: 85232 Bergkirchen Fragen an die Bürgermeisterkandidaten

Beitragvon Dino75195 » 31.01.2026 10:51

Antwort von Erich Oßwald
Gemeinderat Bergkirchen, Kandidat für die Bürgermeisterwahl am 8.3.2026

zuerst ein herzliches Dankeschön für Ihre Nachricht und die Fragen. Es ist wichtig, dass Sie Fragen stellen und ich gehe gerne auf die einzelnen genannten Punkte ein.
Zuerst zwei Botschaften zu dem Thema:

Ohne eine ausreichende staatliche Förderung wird es mit einem schnellen Glasfaserausbau in der Gemeinde Bergkirchen sehr schwierig werden.
Die Kosten für einen Gesamtvollausbau in unserer Gemeinde wurden im Rahmen der Bewerbung für das letzte Förderprogramm auf über 50 Mio. EUR taxiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir im derzeitigen Fördersystem zum Zug kommen ist derzeit eher gering, da das hinterlegte Punktetableau bereits gut ausgebaute Bereiche, wie eben die Gemeinde Bergkirchen, sehr stark benachteiligt. Wir haben uns in bisher auf jedes Förderprogramm beworben, die letzte Förderung war der so genannte Höfe-Bonus, von dem unsere Weiler und auch Einzelgehöfte stark profitieren konnten.
Zum zweiten haben wir z.B. im Ortsteil Lauterbach beim Ausbau der Landkreisstraße im Jahr 2022 ein Leerrohr verlegen lassen. Dies war ein so genanntes Speedpipe mit entsprechenden Abzweigen entlang der Hauptstraße. Die Gesamtkosten hierfür beliefen sich auf einen sechsstelligen Betrag.

Doch nun zu Ihren Punkten:

(1) Der Ausbau des Fernwärmenetzes war ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz und zur Versorgungssicherheit in Bergkirchen. Rückblickend ist jedoch festzuhalten, dass bei großen Tiefbaumaßnahmen die Mitverlegung von Leerrohren oder Glasfaserinfrastruktur konsequenter hätte berücksichtigt werden sollen. Daraus müssen wir lernen. Entscheidend ist für mich, künftig digitale Infrastruktur systematisch mitzudenken und verbindlich in Planungsprozesse zu integrieren.

(2) Für die kommenden Jahre halte ich gigabitfähige Anschlüsse mit leistungsfähigem Upload für den notwendigen Standard. Homeoffice, digitale Bildung, Cloud-Anwendungen und neue Arbeitsformen erfordern zunehmend symmetrische und stabile Verbindungen. Für Betriebe und Selbstständige müssen darüber hinaus skalierbare und zuverlässige Lösungen verfügbar sein.

(3) Kupferbasierte Technologien wie VDSL und Vectoring sind wichtige Übergangslösungen. Langfristig führt jedoch an echter Glasfaser (FTTH/FTTB) kein Weg vorbei. Sie bietet die nötige Leistungsfähigkeit und Zukunftssicherheit. Mein Ziel ist es, Glasfaser als zentrale Leitlinie für den weiteren Ausbau in Bergkirchen zu etablieren und Übergangstechnologien nur noch dort einzusetzen, wo kurzfristig keine andere Lösung möglich ist. Ich verweise auf meine Ausführungen am Anfang der Mail zum Thema Förderung.

(4) Das Ziel der Europäischen Union, bis 2030 flächendeckend Gigabitanschlüsse bereitzustellen, unterstütze ich ausdrücklich. Für Bergkirchen bedeutet dies, einen klaren kommunalen Fahrplan zu entwickeln: mit Priorisierung unterversorgter Ortsteile, aktiver Zusammenarbeit mit Netzbetreibern, konsequenter Nutzung von Förderprogrammen und transparenter Information der Bürgerschaft über den Fortschritt. Aber auch hier ist sicherlich die entsprechende Förderung notwendig, um den Zeitplan nicht zu gefährden.

(5) Ich setze mich dafür ein, dass bei allen künftigen Infrastrukturmaßnahmen das sogenannte „Dig-once“-Prinzip angewendet wird. Dies heißt konkret die Vorab-Prüfung, ob Leerrohre mitverlegt werden können, ist fester Teil des Planungsprozesses. Bei kleineren Grabungen und entsprechenden Fernwärme Nachverdichtungen wird dies nicht immer Sinn machen, bei größeren Trassen aber sehr wohl.

Ich danke Ihnen nochmals für Ihre Anfrage und auch für die Anregungen, die sich für mich daraus ergeben haben.
Gerne dürfen Sie meine Antwort unter Nennung meines Namens auf der Plattform „geteilt.de“ veröffentlichen

Viele Grüße
Erich Oßwald
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