BNetzA legt Entgelte für Schaltverteiler fest

Neuigkeiten zum Thema Telekommunikation und Breitband

Re: BNetzA legt Entgelte für Schaltverteiler fest

Beitragvon bru62 » 30.06.2009 16:39

Einen recht vergnüglich (wenn es nicht so ernst wäre) zu lesenden Bericht zu dem Hickhack um die Schaltverteiler hat das Portal The Inquirer veröffentlicht.

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Re: BNetzA legt Entgelte für Schaltverteiler fest

Beitragvon essig » 30.06.2009 19:12

bru62 hat geschrieben:Einen recht vergnüglich (wenn es nicht so ernst wäre) zu lesenden Bericht zu dem Hickhack um die Schaltverteiler hat das Portal The Inquirer veröffentlicht.

wundervoll beschrieben :mrgreen:

humor ist wenn man trotzdem lacht ;)

bru62 hat geschrieben:Ich denke, eine Ausgliederung der Netze aus dem Konzern muss es gar nicht unbedingt geben, Was Not tut, ist die Schaffung neuer Netzbetreiber auf kommunaler Ebene. Im Zuge des Ausbaus der neuen Netze wäre die einmalig Chance, hier von Monopolen wegzukommen. Und diese neuen Netzbetreiber müssen einer öffentlichen Kontrolle unterliegen.

würde das nicht darauf hinauslaufen, dass die telekom dann dort wo es sich nicht lohnt ihre netze aufgibt und nur noch dort welche betreibt wo es für ihre aktionäre ausreichend rendite abwirft? ohne zweifel ist ein flächendeckendes glasfasernetz im ländlichen raum je bewohner kostenintensiver als in ballungsräumen und meiner meinung nach kann man dieses problem nur lösen (von steuermilliarden abgesehen) indem alle 40 millionen haushalte das kommende glasfasernetz gemeinsam also solidarisch finanzieren. eben so wie man es beim straßen, telefon und stromnetz auch gemacht hat.

wenn du zeit hast könntest du dein modell gern mal in einem neuen thema vorstellen da es hier nur untergehen würde. aber auch andere vorschläge, meinungen, ideen zum thema netzausgliederung sind sehr willkommen.
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Re: Telekom klagt gegen Beschluss zu Breitband-Ausbau

Beitragvon Hohndorfer » 01.07.2009 16:05

Einzig richtige Entscheidung, als nächstes käme dann, dass T-Com die Löhne und Gehälter von den Vodaphone und Alice Mitarbeitern zahlen muß.... :?

Wenn der Staat diese Regulierung als so ein tolles Mittel ansieht, dann fragt man sich doch glatt wieso es nicht gleich überall eingeführt wird.
Dann wäre z.B. Opel nicht in Schwierigkeiten geraten, weil dann VW(Steuerbegünstigter Staatsbetrieb) Autoteile für Opel kostenlos fertigen müsste. :mrgreen:
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Re: Telekom klagt gegen Beschluss zu Breitband-Ausbau

Beitragvon Viro » 01.07.2009 16:30

Hohndorfer hat geschrieben:Einzig richtige Entscheidung, als nächstes käme dann, dass T-Com die Löhne und Gehälter von den Vodaphone und Alice Mitarbeitern zahlen muß.... :?

Wenn der Staat diese Regulierung als so ein tolles Mittel ansieht, dann fragt man sich doch glatt wieso es nicht gleich überall eingeführt wird.
Dann wäre z.B. Opel nicht in Schwierigkeiten geraten, weil dann VW(Steuerbegünstigter Staatsbetrieb) Autoteile für Opel kostenlos fertigen müsste. :mrgreen:

Abwarten. Ich seh noch nicht das Opel den Deal macht bzw. das der Deal insgesamt gemacht wird, der da mal angedacht wurde. Nach den letzten Attacken seitens der EU geht Opel vllt doch noch in die Insolvenz. Nachdem dann Porsche endlich VW gehört werden Opels Filetstücke auch noch geschluckt. Dann kauft man noch ein bisschen GM und Saab und so und schon ist man GM's nachfolger als größter Autobauer der Welt. Am Ende stehen Fiat, VW, Toyomazhonbishykia und Peunault. Yeah. Damit das nicht vollkommen OT ist, kann man das Model auf den TK-Markt übertragen. hrhr
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Re: BNetzA legt Entgelte für Schaltverteiler fest

Beitragvon fruli » 01.07.2009 21:18

Hi,

es geht hier mit Sicherheit nicht nur um diese leidige Klausel - man will dieses Regulierungsmodell mit aller Macht torpedieren und so lange wie möglich verhindern.

... "strategische Entscheidung unseres Hauses" KLICK

aktuell:
http://groups.google.com/group/de.comm. ... 16a4bbde43

hsm kann dazu eventuell auch was schreiben.

Wenn man gerade wg. 30 Mio. € Einnahmeausfall (geringere TAL-Miete) die eigenen ADSL-Ausbauinvestitionen um 100 Mio. € zurückgefahren hat, will man selbstverständlich nicht, dass alternative Anbieter in diesen Lücken nun investieren.

Aktuelle Situation:

- die Telekom will die eigenen Investitionen massiv zurückfahren
- das soll natürlich nicht zulasten der eigenen Endkundenbasis bzw. der eigenen Umsätze gehen
- Schlussfolgerung: jeglicher Ausbau durch alternative Anbieter muss möglichst verhindert werden

Was das für die Schmalbandler bzw. Light-"Breitbandler" bedeutet, spielt in diesem Spiel, wo es nur um Konzerngewinn-Maximierung geht und sonst um nichts, keine Rolle; schliesslich verlangen die Aktienmärkte nach wie vor -trotz Finanzkrise- eine ordentliche Rendite - und das Ausland schwächelt derzeit - man muss in UK Milliarden bei T-Mobile UK abschreiben, VDSL rechnet sich nicht im Sinne der Heuschrecken-Anforderungen (KLICK) - da muss man eben aus dem noch verbliebenen Festnetz-Monopol hierzulande ordentliche Renditen mittels max. Gewinnabschöpfung trotz Nichtinvestition ziehen, solange wie eben möglich.

So long.
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Re: BNetzA legt Entgelte für Schaltverteiler fest

Beitragvon essig » 01.07.2009 21:27

Hohndorfer hat geschrieben:Einzig richtige Entscheidung, als nächstes käme dann, dass T-Com die Löhne und Gehälter von den Vodaphone und Alice Mitarbeitern zahlen muß.... :? Wenn der Staat diese Regulierung als so ein tolles Mittel ansieht, dann fragt man sich doch glatt wieso es nicht gleich überall eingeführt wird.

mich interessiert immer noch dein alternativer vorschlag. wir haben da ein ehemaliges staatsunternehmen welches bis 1995 das monopol inne hatte. dann privatisierte man es weil der bund nicht in der lage war die investitionen im osten zu stemmen und man vor der wahl nicht die telefongebuehren erhöhen wollten. heute 14 jahre später hat man immer noch ein unternehmen mit beherrschender marktmacht, einem quasi monopol und in vielen gebieten einem echten monopol und das MIT regulierung. ohne regulierung wäre es eine sache von 2 jahren und wir wären wieder auf dem stand von 1995 nur das der monopolist dann nicht staatlich sondern privat wäre. preise macht dann nicht die regulierung, erst recht nicht der markt sondern allein der monopolist.

wie gesagt ich vermisse deinen ultimativen vorschlag. glaub mir ich bin auch kein freund uebertriebener regulierung und deshalb bin ich auch der meinung, dass man das netz ausgliedern sollte damit die telekom nichts weiter ist als einer von vielen diensteanbietern. dann aber auch erst dann kann sie beweisen ob sie im echten wettbewerb mit den anderen marktteilnehmern besteht. solange sich das netz zum kunden in der hand eines marktteilnehmers befindet ist wettbewerb ohne regulierung schlicht nicht möglich.
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Re: BNetzA legt Entgelte für Schaltverteiler fest

Beitragvon fruli » 01.07.2009 21:43

Hi,

die Netzauslagerung wäre sicher ein anstrebenswertes Ziel - nur glaube ich kaum daran, dass das in Deutschland in absehbarer Zeit zu erreichen ist.

Für eine künftige FTTH-Infrastruktur ausserhalb der Ballungsräume wäre m.E. eine Realisierung auf kommunaler Ebene wie etwa in Oerel wahrscheinlich deutlich realistischer als anderes. Selbstverständlich fordert so was viel Eigeninitiative von Seiten der Kommunen - da ist nicht mehr die Behörde "Reichspost", oder heutzutage eine als "nationaler Champion" agierende AG, die für einen Ausbau der Infrastruktur in allen Landesteilen sorgt - dieses Denken müsste man erst mal aus den Köpfen der kommunalen Entscheider. TK-Infrastruktur müsste erstmal als kommunale Aufgabe begriffen werden, wo niemand aus Berlin kommt und die Sache selbst in die Hand nimmt wie seit mehr als 100 Jahren. Wie viel wäre heute schon gewonnen, wenn man bereits vor 10 Jahren in allen Kommunen bei Tiefbaumassnahmen grundsätzlich Leerrohre für TK-Leitungen eingezogen hätte...

Ein weiteres Problem wäre sicher auch, dass manche Kommune überhaupt keine finanziellen Mittel hat, um hier aktiv zu werden, weil sie gerade so mit den finanziellen Mitteln ihre Pflichtaufgaben erledigen kann oder gar kurz vor der Zwangsverwaltung durch einen Landeskommissar steht (sowas gibts übrigens selbst in der "reichen Südschiene"). Hier müssten dann eben entsprechende Strukturförderungsgelder zur Verfügung stehen.

So long.
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Re: BNetzA legt Entgelte für Schaltverteiler fest

Beitragvon Odde23 » 01.07.2009 21:43

fruli hat geschrieben:Was das für die Schmalbandler bzw. Light-"Breitbandler" bedeutet, spielt in diesem Spiel, wo es nur um Konzerngewinn-Maximierung geht und sonst um nichts, keine Rolle; schliesslich verlangen die Aktienmärkte nach wie vor -trotz Finanzkrise- eine ordentliche Rendite - und das Ausland schwächelt derzeit - man muss in UK Milliarden bei T-Mobile UK abschreiben, VDSL rechnet sich nicht im Sinne der Heuschrecken-Anforderungen (KLICK) - da muss man eben aus dem noch verbliebenen Festnetz-Monopol hierzulande ordentliche Renditen mittels max. Gewinnabschöpfung trotz Nichtinvestition ziehen, solange wie eben möglich.

Dies scheint sich durch Deine Posts -leider - zu bestätigen. Ich hab es bisweilen nicht geglaubt - glauben wollen, aber es scheint tatsächlich so zu sein.
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Re: BNetzA legt Entgelte für Schaltverteiler fest

Beitragvon essig » 01.07.2009 22:38

fruli hat geschrieben:die Netzauslagerung wäre sicher ein anstrebenswertes Ziel - nur glaube ich kaum daran, dass das in Deutschland in absehbarer Zeit zu erreichen ist.

warum eigentlich nicht? wieso sollte sich der politische wille nicht wieder dahin entwickeln lassen, dass infrastruktur und andere dinge der daseinsvorsorge in öffentliche und nicht private hand gehören? war seit tausenden jahren so und das was wir gerade erleben ist nur ein kleiner exkurs oder besser exzess der ganz offensichtlich nicht funktioniert.

fruli hat geschrieben:Für eine künftige FTTH-Infrastruktur ausserhalb der Ballungsräume wäre m.E. eine Realisierung auf kommunaler Ebene wie etwa in Oerel wahrscheinlich deutlich realistischer als anderes.

das sieht bru62 genauso aber wuerde das nicht zwangsläufig darauf hinauslaufen, dass die großen konzerne frueher oder später ihre netze im ländlichen raum ganz auf- oder abgeben und sich nur noch auf renditestarke ballungsräume konzentrieren? wie will man unter diesen umständen einen universaldienst umsetzten? in den ballungsräumen brummt dann der markt und wettbewerb und der ländliche raum wird ja nach haushaltslage subventioniert? ob das der richtige weg ist?

ich weiß auch nicht ob oerel das musterbeispiel fuer tausende andere gemeinden darstellen kann. sicher toll was dort erreicht wurde ABER das projekt wurde vom land niedersachsen, der eu, vom landkreis und der gemeinde finanziell unterstützt. wäre das ohne dem ebenfalls möglich gewesen? milliardensubventionen wären nötig und das in einem markt der dann in ballungsräumen milliarden verdient. ich weiß nicht.

oerel hat 1,2 millionen euro gekostet und das bei 330 haushalten. macht 3600 euro je haushalt allein fuer die technik und das ist richtig viel denn damit betreibt man das ganze ja noch nicht. ich bin nach wie vor der meinung, dass infrastruktur und daseinsvorsorge solidarisch organisiert werden sollte.

fruli hat geschrieben:Selbstverständlich fordert so was viel Eigeninitiative von Seiten der Kommunen ... Ein weiteres Problem wäre sicher auch, dass manche Kommune überhaupt keine finanziellen Mittel hat, um hier aktiv zu werden, weil sie gerade so mit den finanziellen Mitteln ihre Pflichtaufgaben erledigen kann

so ist es. dann kann man auch alles so lassen wie es ist und es läuft auf das selbe raus. manche gemeinden werden diesen wandel ueberleben, andere nicht.

fruli hat geschrieben:Hier müssten dann eben entsprechende Strukturförderungsgelder zur Verfügung stehen.

während in anderen gebieten mit der gleichen sache milliarden verdient werden? kann mich irgendwie noch nicht damit anfreunden ;)

machen wir uns nichts vor, die versorgung mit ftth ist im ländlichen raum je haushalt weit kostenintensiver als in ballungsräumen und es stellt sich die frage wie diese höheren kosten finanziert werden sollen? weit höhere preise auf dem land? milliardensubventionen aus steuermitteln? wieso sollen nicht alle die das zukuenftige netz nutzen (also sowohl kunden als auch anbieter) solidarisch fuer einen flächendeckende ausbau sorgen?

wenn 40 millionen haushalte im monat 2 euro mehr zahlen dann macht das eine milliarden im jahr und das problem wäre in absehbarer zeit gelöst. oder die preise bleiben und die konzerne verzichten auf eine milliarde gewinn im jahr (dann bleiben trotzdem noch nen paar).
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Re: BNetzA legt Entgelte für Schaltverteiler fest

Beitragvon fruli » 01.07.2009 23:35

Hi,

essig hat geschrieben:warum eigentlich nicht? wieso sollte sich der politische wille nicht wieder dahin entwickeln lassen, dass infrastruktur und andere dinge der daseinsvorsorge in öffentliche und nicht private hand gehören?
Ich sehe dafür momentan einfach keine absehbare politische Perspektive - sowas zu deichseln ginge nur mit stabilen 2/3-Mehrheiten und eisernem Willen aller politisch handelnden Akteure gegen den Widerstand der Telekom - und dass diese quasi über Nacht im Bezug auf die Netzauslagerung umfällt wie die Energiekonzerne EON und RWE, kann ich mir unter derzeitigen Vorzeichen nicht vorstellen.

fruli hat geschrieben:Für eine künftige FTTH-Infrastruktur ausserhalb der Ballungsräume wäre m.E. eine Realisierung auf kommunaler Ebene wie etwa in Oerel wahrscheinlich deutlich realistischer als anderes.

das sieht bru62 genauso aber wuerde das nicht zwangsläufig darauf hinauslaufen, dass die großen konzerne frueher oder später ihre netze im ländlichen raum ganz auf- oder abgeben und sich nur noch auf renditestarke ballungsräume konzentrieren?
Das ist durchaus anzunehmen - ob das aber unbedingt von Nachteil sein muss, ist nicht gesagt. Lokale Akteure haben mitunter ein genaueres Bild über das, was lokal gewünscht, geboten, nötig und möglich ist als eine zentrale Bürokratie - darf ich nur an das für die Versorgung ausserhalb der Ballungsräume höchst untaugliche Annex-B-Fixed-Rate mit der kafkaesk anmutenden Schaltbürokratie errinnern? Kaum vorstellbar, dass ein derartiges System ausserhalb der Ballungsräume etabliert worden wäre, wenn Leute mit regionalem Bezug auch nur etwas Entscheidungskompetenz gehabt hätten oder haben würden.

Oder bgzl. Outdoor-Ausbau: warum muss die GF-Zuführung grundsätzlich verbuddelt werden? Weil es die Telekom so will und das zentral für ganz Dtl. entscheidet, auch wenn dadurch der Ausbau in den ländlichen Gebieten nur im Schneckentempo voranschreitet?

Was ist mit den Ideen vom Mittelständler Bartels, der mit mvox kostengünstige Zuführungsmöglichkeiten für Outdoors realisiert, die in einem rein zentral von Berlin aus geplanten Netz sicher nicht die geringsten Chancen hätten?

In Skandinavien wird in sehr ländlichen Gebieten FTTH bis ins Haus via Masten realisiert
KLICK


ich weiß auch nicht ob oerel das musterbeispiel fuer tausende andere gemeinden darstellen kann. sicher toll was dort erreicht wurde ABER das projekt wurde vom land niedersachsen, der eu, vom landkreis und der gemeinde finanziell unterstützt. wäre das ohne dem ebenfalls möglich gewesen?
Nach meinen Infos flossen 200.000€ an Fördergeldern bei einem Investitionsvolumen von knapp 1,5 Mio.

milliardensubventionen wären nötig und das in einem markt der dann in ballungsräumen milliarden verdient. ich weiß nicht.
Nun, man könnte ja durchaus hier erzielte Gewinne zielgerichtet abschöpfen - unabhängig vom Anbieter. Selbst in den angelsächsichen Mutterländern des Kapitalismus ist eine pro Anschluss erhobene Breitbandabgabe nichts unbekanntes (auf US-Bundesstaatebene) bzw. wird derzeit diskutiert (UK).

oerel hat 1,2 millionen euro gekostet und das bei 330 haushalten. macht 3600 euro je haushalt allein fuer die technik und das ist richtig viel denn damit betreibt man das ganze ja noch nicht.
Der Betrieb ist aber nicht defizitär - ganz im Gegenteil - er ist nur nicht so profitabel, dass sich die Investition in 2,3 oder 4 Jahren amortisiert hat, was leider eine Anforderung des Kapitalmarktes an börsennotierte Konzerne wie die DTAG ist.

http://www.searchnetworking.de/specials ... es/191977/

ich bin nach wie vor der meinung, dass infrastruktur und daseinsvorsorge solidarisch organisiert werden sollte.
Das muss aber nicht zwangsweise alles auf ein bundesweites Zugangsnetz unter einheitlicher Kontrolle hinauslaufen.

Örtliche Hausanschlussnetze (Wasser, Gas, Strom) sind in der Regel durch kommunale oder regionale Betreiber organisiert. Das TK-Zugangsnetz war und ist in dieser Hinsicht eine Ausnahme.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass FTTH ausserhalb der Ballungsräume auf bundespolitischer Ebene in den nächsten Jahren ein ernsthaft verfolgtes Ziel sein wird. Wer mittelfristig ausserhalb der Ballungsräume FTTH haben möchte, muss lokales Handeln organisieren.

Es gibt in der Hinsicht übrigens neben der in Oerel tätigen Anbieter Saicon/unser-ortsnetz.de auch weitere Akteure, die derartiges realisieren wollen - siehe z.B. http://www.unsernetz.de - dort sind Ex-Manager der Telekom aktiv.

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Re: BNetzA legt Entgelte für Schaltverteiler fest

Beitragvon essig » 02.07.2009 12:07

fruli hat geschrieben:Ich sehe dafür momentan einfach keine absehbare politische Perspektive - sowas zu deichseln ginge nur mit stabilen 2/3-Mehrheiten und eisernem Willen aller politisch handelnden Akteure gegen den Widerstand der Telekom - und dass diese quasi über Nacht im Bezug auf die Netzauslagerung umfällt wie die Energiekonzerne EON und RWE, kann ich mir unter derzeitigen Vorzeichen nicht vorstellen.

ehe das falsch verstanden wird mit netzausgliederung meine ich nicht enteignung sonder die rein wirtschaftliche entscheidung das netz in eine eigene gesellschaft auszugliedern, so dass alle beteiligten (aktionäre, regierung, kunden, mitarbeiter) davon profitieren. das funktioniert mit der telekomfreundlichen regulierung und politik der letzten 15 jahre nicht aber wenn man die schrauben anzieht dann ist in sagen wir 5 jahren alles denkbar. das netz zu behalten ist eine rein wirtschaftlich-strategische entscheidung und wenn es irgendwann mehr aufwand als nutzen bringt wird man es in eine eigene gesellschaft auslagern und sich auf die anderen geschäftsfelder konzentrieren. das ganze vielleicht noch auf europäischer ebene und "euronet" könnte entstehen. warten wir mal österreich ab. auch das ausgliederungsmodell der british telecom ist besser als ein "weiter so".

fruli hat geschrieben:Das ist durchaus anzunehmen - ob das aber unbedingt von Nachteil sein muss, ist nicht gesagt.

wäre ja schön aber ich kann mir nur schwer vorstellen wie es fuer den ländlichen raum von vorteil sein könnte, wenn sich die großen konzerne in die ballungsräume zurueckziehen und man sie somit dauerhaft von ihren gesellschaftlichen aufgaben entbindet. da braucht man schon viel zuversicht und es muss wirklich alles optimal laufen damit es flächendeckend funktioniert. vereinzelt kann das in vielen gemeinden durchaus funktionieren aber ueberall?

fruli hat geschrieben:Lokale Akteure haben mitunter ein genaueres Bild über das, was lokal gewünscht, geboten, nötig und möglich ist als eine zentrale Bürokratie - darf ich nur an das für die Versorgung ausserhalb der Ballungsräume höchst untaugliche Annex-B-Fixed-Rate mit der kafkaesk anmutenden Schaltbürokratie errinnern? Kaum vorstellbar, dass ein derartiges System ausserhalb der Ballungsräume etabliert worden wäre, wenn Leute mit regionalem Bezug auch nur etwas Entscheidungskompetenz gehabt hätten oder haben würden.

Oder bgzl. Outdoor-Ausbau: warum muss die GF-Zuführung grundsätzlich verbuddelt werden? Weil es die Telekom so will und das zentral für ganz Dtl. entscheidet, auch wenn dadurch der Ausbau in den ländlichen Gebieten nur im Schneckentempo voranschreitet?

Was ist mit den Ideen vom Mittelständler Bartels, der mit mvox kostengünstige Zuführungsmöglichkeiten für Outdoors realisiert, die in einem rein zentral von Berlin aus geplanten Netz sicher nicht die geringsten Chancen hätten?

volle zustimmung. wobei das damals wie heute nicht nur mit buerokratie, zentralismus, unvermögen, flexibilität zu tun hat sondern auch immer eine gehörige portion "warum sollten wir" eine rolle spielte.

Nach meinen Infos flossen 200.000€ an Fördergeldern bei einem Investitionsvolumen von knapp 1,5 Mio.

bei 330 haushalten auch nicht wenig. 900 € fuer einen neuanschluss sind auch nicht ohne und werfen fragen der sozialen ausgrenzung auf.

fruli hat geschrieben:Der Betrieb ist aber nicht defizitär - ganz im Gegenteil - er ist nur nicht so profitabel, dass sich die Investition in 2,3 oder 4 Jahren amortisiert hat, was leider eine Anforderung des Kapitalmarktes an börsennotierte Konzerne wie die DTAG ist.

da hast du recht und das muss es ja auch gar nicht, selbst reine kostendeckung wäre schon ausreichend. das "problem" von oerel ist, dass dort wirklich alles optimal gelaufen ist dies aber nur schwer auf tausende andere gemeinden uebertragbar sein wird. das fängt beim personal an denn es braucht einen informierten, mutigen, ambitionierten gar visionären buergermeister/gemeinderat. dann geht es weiter zur finanzierung denn welche gemeinde bekommt mal eben einen kredit von mehreren millionen euro fuer ein solches projekt? das renditeziel der meisten banken ist weit höher als das der telekom aktionäre und die finanzkrise tut ihr uebriges. die zögerliche kreditvergabe wird vielleicht noch jahre anhalten und das ist wieder verlorene zeit. auch nicht zu unterschätzen sind die einwohner selbst. in oerel ist das wunder passiert, dass wohl alle mitgemacht haben sogar leute ohne internetanschluss und das setzte sicher entsprechende ueberzeugungsarbeit voraus. in anderen gemeinden gibt es vielleicht eine zu große anzahl von leuten die mit ihren 1 mbit dsl zufrieden sind. schwierig wird es auch durch den wahnsinn immer größere einheitsgemeinden/landgemeinden zu gruenden. diese bestehen dann aus mehreren räumlich voneinander getrennten ortsteilen und die interessen aller gleichzeitig zu vertreten ist nahezu unmöglich.

fruli hat geschrieben:Das muss aber nicht zwangsweise alles auf ein bundesweites Zugangsnetz unter einheitlicher Kontrolle hinauslaufen.

das stimmt. das muss es nicht. man kann das netz und einen teil der mitarbeitet in eine eigenständige gesellschaft ausgliedern. diese betreibt das netz und die wettbewerber finanzieren dies entsprechend der nutzung. die bnetza könnte ebenfalls aufgaben behalten/uebernehmen. eine größere rolle der stadtwerke/landkreise ist auch denkbar. da gibt es wirklich viele modelle aber dazu muesste man eine ausgliederung innerhalb der nächsten 5, 10 oder 15 jahre zumindest anstreben.

fruli hat geschrieben:Ich kann mir nicht vorstellen, dass FTTH ausserhalb der Ballungsräume auf bundespolitischer Ebene in den nächsten Jahren ein ernsthaft verfolgtes Ziel sein wird. Wer mittelfristig ausserhalb der Ballungsräume FTTH haben möchte, muss lokales Handeln organisieren.

stimmt, das ist der momentane stand der dinge. bleibt es so bzw. nimmt man das so in kauf dann werden tausende gemeinden/ortsteile vor allem in strukturschwachen gegenden die nächsten 1-2 generationen nicht ueberleben aber dann soll es wohl so sein. andere gemeinden werden es hingegen packen. trauriger siedlungsdarwinismus vor allem fuer die die sich und ihren kindern vor 10 jahren ein haus auf dem land gebaut haben.

die modelle auf http://www.unserortsnetz.de und http://www.unsernetz.de sind natuerlich beeindruckend und fuer viele gemeinden vielleicht die richtige alternative aber sind diese modelle auch in der lage eine flächendeckende ftth versorgung ohne subventionen bei mit in städten vergleichbaren preisen/leistungen zu erreichen? wenn man die großen konzerne ganz aus der verantwortung nimmt und sich von einem solidarischen ausbaugedanken verabschiedet dann hat man in ballungsräumen den funktionierenden wettbewerb mit leistungen am oberen ende des möglichen und preisen am unteren ende des möglichen. im ländlichen raum hingegen haben die gemeinden mit ganz viel glueck dann kommunale ftth betreiber und der rest isdn. wettbewerb entsteht durch diese modelle auch nicht, ganz im gegenteil. man ist dauerhaft auf einen kommunalen betreiber angewiesen und das muss nicht in jedem fall gut sein.

als initiative sind wir nicht auf der suche nach modellen die hier und da funktionieren, dort aber nicht sondern möglichst nach einer lösung die mittelfristig (10 jahre?) eine flächendeckende ftth versorgung erreichen kann. da gehen die ansichten natuerlich weit auseinander aber es gibt auch viel uebereinstimmung. deine meinung aber auch deine enorme sachkenntnis sind hierbei von großen nutzen und ueberaus interessant. aber auch lösungsvorschläge von anderen mitstreitern wuerden interessieren (bei Hohndorfer warte ich immer noch).
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Re: BNetzA legt Entgelte für Schaltverteiler fest

Beitragvon bru62 » 02.07.2009 16:22

essig hat geschrieben:wir haben da ein ehemaliges staatsunternehmen welches bis 1995 das monopol inne hatte. dann privatisierte man es weil der bund nicht in der lage war die investitionen im osten zu stemmen und man vor der wahl nicht die telefongebuehren erhöhen wollten.


Das war vielleicht einer, aber nicht der entscheidende Grund für die Privatisierungsorgie des öffentlichen Eigentums. Dem liegt eine andere Erscheinung zugrunde, die (nicht nur marxistische) Ökonomen den "tendenziellen Fall der Profitrate" nennen. Daraus folgt, dass Anlagen in produktiven Sektoren nicht mehr ausreichend profitabel sind. Auf der Suche nach Anlageformen ist man im Zuge der neoliberalen Umgestaltung dazu gekommen, öffentliche Bereiche, deren Produkte immer konsumiert werden müssen, in private (d.h., Profit abwerfende) Unternehmen umzuwandeln. Passiert auch heute noch. Siehe Bahn oder die unsäglichen PPP-Modelle, oder wieder sehr aktuell: die Wohnungsverkäufe in Städten (z.B. Dresden). Um auf deine These zurückzukommen: Der Ausbau der Autobahnen und Straßen im Osten hätte aufgrund der viel höheren Investitionen demnach eine Privatisierung noch viel eher verlangt. Aber das nur am Rande.

Ich denke auch, dass kein Unternehmen (auch nicht in Kooperation mit anderen) die 50 Mrd. Euro aufbringen wird (könnte vielleicht), um ein flächendeckendes Glasfasernetz zu errichten. Das Geld dazu ist einfach im Moment nicht am Markt verfügbar, um unter den angestrebten RoI der Aktiengesellschaften eine solche Investition zu tätigen. Eine Lösung ist für mich nur öffentlich vorstellbar. Wie da die Kosten aufgebracht werden, muss man sehen. Ob eine Anleihe, eine zweckgebundene Abgabe (wie in UK) oder eine Finanzierung aus dem allgemeinen Steueraufkommen. Möglichkeiten gibt es viele. Die öffentliche Hand ist im Gegensatz zur privaten Wirtschaft in der Lage, Investitionen über lange Zeiträume abzuschreiben. Telekommunikation gehört zur öffentlichen Daseinsvorsorge. Diese flächendeckend anzubieten, ist Aufgabe des Staates. Es ginge natürlich auch privat. Dies bedinge aber eine gnadenlose Regulierung und die dauerhafte Subventionierung. Da kann es der Staat auch gleich selbst tun.

Eine Zerschlagung der Telekom werden wir wohl nicht so bald erleben. Dazu fehlt völlig das politische Umfeld. Einem solchen Ansatz nachzurennen (so nützlich es vielleicht wäre), halte ich für wenig sinnvoll. Aber das habe ich an anderem Ort schon öfter erklärt. Es schadet nichts, wenn wir es fordern. Wir sollten die Sinnhaftigkeit und den Unsinn der damaligen Privatisierung auch immer wieder herausstellen. Aber wir sollten auch akzeptieren, dass wir damit mittelfristig keinen Erfolg haben werden.

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Re: BNetzA legt Entgelte für Schaltverteiler fest

Beitragvon fruli » 02.07.2009 19:49

Hi,

@essig

bzgl Österreich: wäre schön, wenn es da klappt mit der Netzauslagerung - nur sind auch dort nach dem, was man so hört, sieht und liest die Widerstände sehr groß - aus den unterschiedlichsten Gründen, wie auch hierzulande (Arbeitnehmervertreter fürchten Stellenabbau, "national" gesinnte Politiker wollen einen "nationalen Champion" erhalten und befürchten die Übernahme des vom Netz gelösten Dienstleisters durch ausländische Konzerne, Ordnungspolitiker sehen in jedem Eingriff in Aktionsärsvermögen ein Einfallstor des Marxismus, etc, etc.

Ich bin da skeptisch, ob es klappt. Selbst eine nur halbgare Auslagerung bei Verbleib des Eigentums der Netzgesellschaft beim Incubement nach dem Bsp. OpenReach in GB ist IMHO mit unserer Politikerkaste und dem Telekom-Führungspersonal auch auf mittlere Sicht kaum durchführbar.

Wenn man bei der Telekom die Regulierungsschraube anzieht, hat sie in der Vergangenheit sehr aggresiv reagiert - IME würde sie sogar von sich selbst aus die Forderung anstellen, sich dem Netz (incl. Mitarbeiter) jwd entledigen zu dürfen bzw. dies dem Bund zu verschenken, während man das Netz in Ballungsräumen mit allen Mitteln verteidigen würde - dazu erpresst man mit angedrohtem generellem Arbeitsplatzabbau und der Bund kuscht.

Zu den FTTH-Projekten/Initiativen vor Ort: damit kann man erstmal gut testen und ausloten, inwieweit sowas als von der "grass root"-Ebene her zu schultern ist. Wenn es klappt, dann sind solche Lösungen nicht schlecht und es entwickelt sich sicher dadurch ein Wettlauf um die FTTH-Realisierung zu den niedrigsten Einstandskosten.

Bzgl. 900€ Anschlussgebühr an FTTH in Oerel: wer ein Haus baut, zahlt bei der Telekom für den Anschluss an eine einzige Kupferdoppelader auch ab ca. 350€ aufwärts, selbst wenn nur ISDN funktioniert. Anschluss an Gas, Strom, TV-Kabel kostet üblicherweise jeweils einen Betrag in Höhe der FTTH-Anschlussgebühren in Oerel (Wasser/Abwasser deutlich darüber) - für Mietwohnungen müsste man das eben wie üblich umlegen. Zum anderen könnte man alternativ auch WLAN nutzen, um das Netz für Gelegenheitsnutzer, die keinen derartigen Anschlussbetrag aufbringen wollen, zu verteilen - was natürlich für diese Teilnehmer mit den bekannten Einschränkungen von Funklösungen einherginge.

Wenn denn mal FTTH-Bandbreiten absolut üblich sind und man damit Richtung Universaldienst steuert, müsste man sehen, wie man diesen sicherstellt - das kann auch mit solchem Wildwuchs geschehen.

Wie bru62 auch schrieb, bedarf es so oder so massiver Finanztransfers bzw. Initiative der öffentlichen Hand in strukturschwachen Gebieten - das muss aber nicht zwingend alles unter dem Mantel einer bundesweiten Netzgesellschaft laufen - gerade auch, weil sich dort nur schwer verhindern liesse, dass die von der DTAG bekannte Bürokratie, fehlende Flexibilität und Ausrichtung des Geschäftsbetriebs an den Ballungsgebieten weiter vorherrscht - das Führungspersonal incl. mittlere Führungsebene, das Denken in diesen Bahnen gewöhnt ist, bliebe schliesslich weitgehend das gleiche.

So long.
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Re: BNetzA legt Entgelte für Schaltverteiler fest

Beitragvon essig » 03.07.2009 00:02

bru62 hat geschrieben:Das war vielleicht einer, aber nicht der entscheidende Grund für die Privatisierungsorgie des öffentlichen Eigentums. Dem liegt eine andere Erscheinung zugrunde, die (nicht nur marxistische) Ökonomen den "tendenziellen Fall der Profitrate" nennen. Daraus folgt, dass Anlagen in produktiven Sektoren nicht mehr ausreichend profitabel sind. Auf der Suche nach Anlageformen ist man im Zuge der neoliberalen Umgestaltung dazu gekommen, öffentliche Bereiche, deren Produkte immer konsumiert werden müssen, in private (d.h., Profit abwerfende) Unternehmen umzuwandeln. Passiert auch heute noch. Siehe Bahn oder die unsäglichen PPP-Modelle, oder wieder sehr aktuell: die Wohnungsverkäufe in Städten (z.B. Dresden).
wieder was gelernt, interessante these auch wenn ihr wie bei thesen ueblich mit einer anderen these widersprochen wird. dann sagen wir das eine war die ursache und das andere der auslöser.

bru62 hat geschrieben:Um auf deine These zurückzukommen: Der Ausbau der Autobahnen und Straßen im Osten hätte aufgrund der viel höheren Investitionen demnach eine Privatisierung noch viel eher verlangt. Aber das nur am Rande.

das war nicht meine these sondern eher der "offizielle" grund warum man 1994 mit der zweiten postreform telekom, post und postbank zu aktiengesellschaften gemacht hat.

bru62 hat geschrieben:Ich denke auch, dass kein Unternehmen ... Da kann es der Staat auch gleich selbst tun.

volle zustimmung

bru62 hat geschrieben:Eine Zerschlagung der Telekom werden wir wohl nicht so bald erleben. Dazu fehlt völlig das politische Umfeld. Einem solchen Ansatz nachzurennen (so nützlich es vielleicht wäre), halte ich für wenig sinnvoll. Aber das habe ich an anderem Ort schon öfter erklärt. Es schadet nichts, wenn wir es fordern. Wir sollten die Sinnhaftigkeit und den Unsinn der damaligen Privatisierung auch immer wieder herausstellen. Aber wir sollten auch akzeptieren, dass wir damit mittelfristig keinen Erfolg haben werden.

wie meinte schon Che Guevara: "Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche" ;)

vor vier jahren hat niemand auch nur ansatzweise ueber eine erweiterung des universaldienst nachgedacht oder gar davon gesprochen. die die es taten (wir) wurden dafuer teilweise aufs uebelste beschimpft oder ausgelacht. heute ist das thema, auch dank dir, in der politischen, medialen und öffentlichen wahrnehmung angekommen und dies ist nicht nur ein guter sondern auch ein zwingend erforderlicher erster schritt.

warten wir ab wie es sich in vier jahren beim thema netzausgliederung verhalten wird. klar, wenn man das ganze enteignung oder zerschlagung nennt dann besteht keine chance ernst genommen zu werden. fuer eine netzausgliedern im interesse aller (aktionäre, regierung, kunden, mitarbeiter, betroffenen, kommunen, wettbewerb, steuerzahler) mit verweis auf großbritannien und österreich lässt sich aber schon ganz anders werben. nur so wird man mehr wettbewerb bei weniger regulierung erreichen und nur so sind die herausforderungen von morgen (flächendeckend ftth) zu meistern.

wenn wir schon dabei sind, ich bin der meinung, dass wir mit unserer forderung nach einer breitband grundversorgung bereits viel erreicht haben aber auch auf der stelle tappen solange sich das netz nicht wieder in öffentlicher hand oder zumindest in einer eigenständigen gesellschaft befindet. das ist meiner meinung nach die zwingende voraussetzung da nur so ein schluessiges gesamtkonzept entsteht an dessen ende eine breitband grundversorgung steht. frueher oder später muessen wir uns in dieser frage positionieren und diese position entsprechend in unser gesamtkonzept einfließen lassen oder eben auch nicht. ich fuer meinen teil werde auch weiter inoffiziell also in diskussionen hier im forum dafuer werben und zwar jetzt und nicht erst dann wenn die theoretische chance zur umsetzung besteht.

das thema netzabspaltung ist in der öffentlichen wahrnehmung schlicht nicht vorhanden, weder politisch, noch medial und wer soll dies ändern wenn nicht wir?

fruli hat geschrieben:bzgl Österreich: wäre schön, wenn es da klappt mit der Netzauslagerung - nur sind auch dort nach dem, was man so hört, sieht und liest die Widerstände sehr groß

aber dort ist es in der öffentlichen diskussion und davon sind wir noch weit entfernt. hier scheint es in weiten kreisen ein tabu.

fruli hat geschrieben:Ich bin da skeptisch, ob es klappt. Selbst eine nur halbgare Auslagerung bei Verbleib des Eigentums der Netzgesellschaft beim Incubement nach dem Bsp. OpenReach in GB ist IMHO mit unserer Politikerkaste und dem Telekom-Führungspersonal auch auf mittlere Sicht kaum durchführbar.

ich bin da nicht nur skeptisch ob es klappt sondern sogar sicher, dass es (noch) nicht klappt aber es war in der diskussion und das ist bei solch heiklen dingen der wichtige erste schritt. zukuenftig wird man bei problemen und defiziten diese option dann immer und immer wieder zumindest in erwägung ziehen.

fruli hat geschrieben:Wenn man bei der Telekom die Regulierungsschraube anzieht, hat sie in der Vergangenheit sehr aggresiv reagiert ... dazu erpresst man mit angedrohtem generellem Arbeitsplatzabbau und der Bund kuscht.

das kann doch auch nicht ewig funktionieren.

fruli hat geschrieben:Zu den FTTH-Projekten/Initiativen vor Ort: damit kann man erstmal gut testen und ausloten, inwieweit sowas als von der "grass root"-Ebene her zu schultern ist. Wenn es klappt, dann sind solche Lösungen nicht schlecht und es entwickelt sich sicher dadurch ein Wettlauf um die FTTH-Realisierung zu den niedrigsten Einstandskosten.

dagegen spricht ja auch nichts und man kann ja gar nichts gegen diese projekte haben aber mit einer flächendeckenden ftth versorgung werden sie dennoch wenig zu tun haben. das kann meiner meinung nach nur ueber einen solidarischen bundesweiten ausbau funktionieren.

fruli hat geschrieben:Bzgl. 900€ Anschlussgebühr an FTTH in Oerel: wer ein Haus baut, zahlt bei der Telekom für den Anschluss an eine einzige Kupferdoppelader auch ab ca. 350€ aufwärts, selbst wenn nur ISDN funktioniert.

das ist richtig aber ich meinte nicht den fall, dass jemand neu baut sondern den fall, dass nicht alle haushalte aus welchen gruenden auch immer nicht gleich von anfang an dabei sein wollen oder können (vertragslaufzeit, kein bedarf usw). bei "Nachzügler können für 800 oder 900 Euro nachrüsten." entsteht schon ein gewisser zwang oder zumindest druck aber das sind nur details. insgesamt ist oerel natuerlich genial aber eben nicht ueberall machbar, schon gar nicht flächendeckend.

fruli hat geschrieben:Wenn denn mal FTTH-Bandbreiten absolut üblich sind und man damit Richtung Universaldienst steuert, müsste man sehen, wie man diesen sicherstellt - das kann auch mit solchem Wildwuchs geschehen.

daran will ich gar nicht denken

fruli hat geschrieben:das muss aber nicht zwingend alles unter dem Mantel einer bundesweiten Netzgesellschaft laufen - gerade auch, weil sich dort nur schwer verhindern liesse, dass die von der DTAG bekannte Bürokratie, fehlende Flexibilität und Ausrichtung des Geschäftsbetriebs an den Ballungsgebieten weiter vorherrscht - das Führungspersonal incl. mittlere Führungsebene, das Denken in diesen Bahnen gewöhnt ist, bliebe schliesslich weitgehend das gleiche.

da sind wir uns doch einig. auf die fragen wann man ausgliedern sollte, wie man ausgliedern sollte, welche teile man ausgliedern sollte, in was oder an wen man ausgliedern sollte gibt es sicher viele modelle und meinungen die aber erst sinn machen wenn man das ob geklärt hat.
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Re: BNetzA legt Entgelte für Schaltverteiler fest

Beitragvon Oereler » 11.07.2009 02:13

Tja, war ich in den letzten 2 Wochen WECH, also im Urlaub.
IN Oerel geht FTTH immer noch, das ist schon mal gut und das ohne Telekom!
(Ähhh, haben die überhaupt schon mal sowas gebaut????) :o
Wir werden uns mit der deutsche Telekom und der allgemeinen Tehmatik "Ausbau auf dem Land" oder sonst wo?,
noch im Jahre 2020 beachäftigen, wenn wir so weitermachen.
Da kann BNetzA irgendwelche Entgelde für Schaltverteiler festlegen.
usw. usw.!!!!!!!!
Stichwort:Nochmals, "Eigeninitiative!
Das betrifft jedem im Ort!!!

Aber die meisten Gemeinden gehen ja lieber die einfacheren Weg, die Modernisierung der Kupferkabel (dazu gehört auch VDSL) - Telekom :lol:
mit finanzieren. :lol:

Das ist sicherlich keine Investition in die Zukunft!
http://www.searchnetworking.de/specials ... es/191977/
(link ist schon 1 Monat alt)

Unser Ortsteil Barchel wir in den nächsten Tagen und Wochen nun auch erschlossen sein.Dann liegt die Gemeinde Oerel nun schon bei über 500 Anschlüssen die zum UO Netz wechseln. Übrigends können nach derzeitigem Ausbaustatus des Rechenzentrums in Oerel bis zu 6000 Anschlüsse zum UO wechseln. Mit umliegenden Gemeinden sollen schon Gespräche geführt sollen sein.

Die telekom oder auch die ewetel kann gerne ihre letzten 6-11 Kunden ja auch über das UO FTTH Netz in Oerel versorgen, in welcher Form auch immer!
Ist nur nicht mehr wirtschaftlich :lol:
Übrigends, auch ohne die Förderung würde das Netz wirtschaftlich sein!
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