BITKOM: Kompromisslinie in der Frequenzpolitik

Neuigkeiten zum Thema Telekommunikation und Breitband

BITKOM: Kompromisslinie in der Frequenzpolitik

Beitragvon News » 07.12.2008 16:56

PM vom 05.12.2008

BITKOM entwickelt Kompromisslinie in der Frequenzpolitik

Der BITKOM hat einen fairen Kompromiss zwischen dem Frequenzbedarf des Rundfunks und der wachsenden Nachfrage nach Breitbandkommunikation auf dem Land entwickelt. Der Konsens innerhalb des Verbandes umfasst alle Mitglieder, insbesondere in den Bereichen Telekommunikation und Medien. Damit steigen die Chancen, in absehbarer Zeit die ländlichen Gebiete in Deutschland mit günstigen und schnellen Internet-Zugängen auszustatten. Die Mitglieder haben sich auf ein Eckpunktepapier zur sinnvollen Nutzung der Frequenzen geeinigt. Der obere Bereich des UHF-Bandes zwischen 790 und 862 MHz soll möglichst umgehend für Breitbandkommunikation zugewiesen werden. Im Gegenzug sollen die privaten Rundfunkunternehmen Ausgleichszahlungen erhalten. Hierzu soll ein Digitalisierungsfonds eingerichtet werden, in den die Erlöse der Frequenzvergabe für die Breitbandkommunikation fließen.

Mit DVB-T können Fernseh-Signale wesentlich effizienter übertragen werden und benötigen weniger Frequenzen. Der Bereich zwischen 470 – 790 MHz reicht daher aus Sicht des BITKOM aus, den realen Bedarf und angemessene Entwicklungsmöglichkeiten für den Rundfunk zu garantieren. „Der erreichte Kompromiss zur Digitalen Dividende ist ein starkes Signal an die Politik, die durch die Digitalisierung freiwerdenden Frequenzen schnell an die Telekommunikationsanbieter zu vergeben und gleichzeitig die damit verbundenen Aufwendungen der Rundfunkanbieter zu erstatten“, sagte BITKOM-Präsident Prof. August-Wilhelm Scheer.

Bis dato stand ein entsprechender Konsens aus. Nun hat der Verband mit dem Kompromiss der Politik den Weg erleichtert. „Jetzt sollten insbesondere die Bundesländer im Bundesrat der entsprechenden Änderung der Frequenzzuweisung zügig zustimmen“, forderte Scheer. Dann könnten auch abgelegene Regionen bald mit schnellen Internet-Zugängen versorgt werden. Viele Haushalte liegen zu weit von der nächsten Vermittlungsstelle entfernt, um sie mit DSL versorgen zu können. Die Lücken können mit den Frequenzen aus der Digitalen Dividende geschlossen werden. Erst sie ermöglichen eine wirtschaftliche Breitband-Versorgung dünn besiedelter Regionen. Führende TK-Anbieter haben bereits erklärt, im Falle einer Frequenzvergabe zügig und mit erster Priorität die weißen Flecken mit Breitband zu versorgen.

Auf diese gesellschaftlich und wirtschaftlich wichtige Aufgabe hatte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem IT-Gipfel hingewiesen. Rund 800 Gemeinden in Deutschland haben heute überhaupt keine schnellen Internetzugänge, viele weitere Gemeinden nur partiell oder mit geringeren Bandbreiten. Dies ist ein starker Nachteil für die wirtschaftliche und demographische Entwicklung dieser ländlichen Bereiche. So bleiben die Potenziale von Telearbeit und E-Business zwangsweise ungenutzt. Scheer: „Wer Unternehmen vom Internet abschneidet, entzieht ihnen die Geschäftsgrundlage.“

Der Umfang der terrestrischen TV-Übertragung würde durch den BITKOM-Konsens nicht eingeschränkt. In Deutschland sind zwei Drittel des Bereiches zwischen 790 und 862 MHz ohnehin noch dem Militär zugewiesen. BITKOM-Präsident Scheer appelliert daher an das Verteidigungsministerium, diese Frequenzen zügig für die Breitbandversorgung freizugeben. Innerhalb des restlichen Drittels werden nur wenige DVB-T-Sender betrieben. Für diese DVB-T-Sender würde ein Kanalwechsel notwendig. Die Kosten dafür soll der Digitalisierungsfonds übernehmen. Zudem könnte er Möglichkeiten für eine weitere Effizienzsteigerung und den störungsfreien parallelen Betrieb der terrestrischen Rundfunk- und Breitbandnetze finanzieren. Damit würden erstmals Erlöse aus der Frequenzvergabe zweckgebunden eingesetzt. Für die zukünftige Nutzung der knappen Frequenzen unterhalb von 790 MHz können so weitere Spielräume geschaffen werden.

„Ein solcher innovativer Vorschlag ist einmalig in Europa“, so BITKOM-Präsident Scheer. „Der Erlös der Frequenzvergabe würde dann nicht in Haushaltslöchern verschwinden wie bei der UMTS-Vergabe, sondern zweckgebunden und effizient in die Zukunftsfähigkeit unseres Landes investiert.“

Das Eckpunktepapier gibt es als Download unter http://www.bitkom.org/de/themen_gremien/18117.aspx
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Re: BITKOM: Kompromisslinie in der Frequenzpolitik

Beitragvon essig » 11.12.2008 21:59

BITKOM hat geschrieben:der wachsenden Nachfrage nach Breitbandkommunikation auf dem Land
...
Dann könnten auch abgelegene Regionen bald mit schnellen Internet-Zugängen versorgt werden
...
Führende TK-Anbieter haben bereits erklärt, im Falle einer Frequenzvergabe zügig und mit erster Priorität die weißen Flecken mit Breitband zu versorgen


schon klar... ist es nicht auffällig wie einig sich alle an der digitalen dividende interessierten sind? man hat sich auf das totschlagargument "ländlicher raum" verständigt und propagiert dies nun gemeinsam wo und wann immer man kann. natürlich mit erfolg. man ist da sogar so deutlich, dass man es fast glauben möchte:

Vodafone-Chef Fritz Joussen hat geschrieben:In die Versteigerungsbedingungen kann dann die Verpflichtung aufgenommen werden, die entsprechenden Gebiete zügig zu versorgen. Sehr detailliert, mit Postleitzahl und allen notwendigen Spezifikationen. Es braucht sich niemand auf mündliche Zusagen oder Versprechen zu verlassen, ich bin bereit, eine Verpflichtung abzugeben.


na dann los. man vergibt die begehrten frequenzen mit der verpflichtung 90% der ländlichen räume zu versorgen und erst wenn dieses ziel erreicht ist werden die frequenzen auch für die ballungsräume freigegeben. sollte doch kein problem darstellen denn man macht ja immer und immer wieder deutlich, dass man die digitalen dividende für die ländlichen räume braucht.

man vermeidet bewusst äußerungen, dass man die frequenzen auch und vor allem für die ballungsräume braucht oder dass man sie haben will damit sie niemand anderes bekommt (regionale funkanbieter, wimax anbieter) oder dass man einfach einen fuß in der tür bei den begehrten niedrigen frequenzen haben möchte. wird man direkt darauf angesprochen (Frage der FAZ: Sie können die Frequenzen aber auch in den Ballungsgebieten gut gebrauchen) antwortet man wie folgt:

Vodafone-Chef Fritz Joussen hat geschrieben:Das stimmt. Das wird auch dazu führen, dass wir in den Städten und heute schon DSL-versorgten Gebieten schnell interessante Angebote auf Mobilfunkbasis machen können. Der Kunde würde von erstklassiger Versorgung und im Wettbewerb wahrscheinlich weiter fallenden Preisen profitieren.


ich denke es wird so kommen, dass die mobilfunkbetreiber die frequenzen für einen 9 bis 10 stelligen betrag ersteigern und entsprechend nutzen. es kann also gut sein, dass bei bestehenden mobilfunkanlagen im ländlichen raum durch die höhere reichweite (wohl um die 10 km) tatsächlich der eine oder andere ort mitversorgt wird aber was ich wirklich bezweifle ist, dass man plötzlich neue mobilfunkanlagen baut wo es sich die letzten jahre nicht gelohnt hat. das wird nur in ausnahmen passieren.

die höhere reichweite je mobilfunkanlage hat ja nicht nur vorteile sondern auch den nachteil, dass sich mehr leute eine zelle teilen müssen. je nachdem wie breit das spektrum (72 mhz?) ist und wie die mobilfunkanlage angebunden ist wird das bei 1000, 5000 oder 10000 nutzern im 10 km radius doch richtig knapp oder? zumindest sollten die millionen betroffenen in ländlichen räumen nicht davon ausgehen, dass sie durch die digitale dividende in den nächsten zwei jahren 16 mbit breitband bekommen. vielleicht 2 mbit mit volumenbegrenzung während für andere 100 mbit völlig normal sein werden. die digitale dividende hält die digitale spaltung nicht auf sondern lenkt von ihr ab.

während man nun auch in deutschland endlich begriffen hat, dass alles auf ftth (glasfaser bis zum haus) hinausläuft und dies in den nächsten jahrzehnten bestimmend sein wird, sucht man einfach nur nach einer strategie sich die unwirtschaftlichen gebiete vom hals zu halten. ob wimax oder digitale dividende, man braucht eben alle drei jahre einen neuen hoffnungsträger.

folgende fragen würden mich interessieren:

1. nehmen wir an es werden die 72 mhz (790 bis 862 mhz) versteigert und je mobilfunkanlage gibt es 500, 1000, 5000 nutzer, mit welcher bandbreite könnte der einzelne nutzer je nach verfahren (wimax, td-cdma usw.) rechnen?

2. können die mobilfunkanlagen softwareseitig auf die neuen frequenzen erweitert werden oder bedarf es neuer hardware und wenn ja in welchem umfang?

3. wären die mobilfunkbetreiber bereit, die neuen frequenzen nicht nur an den bestehenden mobilfunkanlagen im ländlichen raum zu nutzen sondern auch bereit dort wo nötig zusätzliche zu installieren?

4. wo läge die sicher notwendige volumenbegrenzung? 5 gb, 10 gb?

5. wenn man unbedingt den ländlichen raum helfen möchte, warum hat man dann nicht längst alle mobilfunkanlagen im ländlichen raum von gprs auf umts oder hsdpa umgestellt?

es gibt noch mehr fragen aber alle laufen darauf hinaus, dass man das problem der digitalen spaltung nicht wirtschaftlich sondern nur politisch lösen kann. als vorstandsvorsitzender oder großaktionär darf man kein interesse an unwirtschafltichen gebieten haben, so einfach ist das. liegt in der natur der sache und ohne druck, verpflichtungen, rahmenbedingungen, universaldienst, grundversorgung, mindestbandbreite usw. kann sich nichts ändern. klar werden irgendwann alle 1 mbit haben aber dann hat die masse 100 mbit oder gar 1 gbit und an der digitalen spaltung hat sich nichts verbessert.

lange rede kurzer sinn: die digitale dividende wird die digitalen spaltung nicht beseitigen sondern nur verlängern. isdn 2.0 also. man hat doch die zukunft in FTTH erkannt und diese muss allen diskriminierungsfrei zur verfügung stehen.
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