Liebe Mitstreiter,
Nicht die LEG verspricht Breitband bis 2012, sondern der Thüringer Landtag (
http://www.thueringer-landtag.de/tlt/) hat in der Sitzungen am 19.06.2009 in der letzten Legislaturperiode einstimmig, mit den Stimmen aller Fraktionen diese Zielstellung beschlossen.
Protokoll S.11206 (TOP14)
http://www.parldok.thueringen.de/parldo ... 4FF1CA.pdfMit dieser immer noch sehr sportlichen Zielstellung (2012) hat der Landtag weit mehr Realismus bewiesen, als die Bundesregierung mit ihrem 1 MBit/s bis Ende 2010 für alle.
In Anbetracht der tatsächlichen Versorgungslage in Deutschland (nicht die aus dem Breitbandatlas des BMWi

) ist die Umsetzung letzterer Zielvorgabe (2010) praktisch unmöglich.
Und auch der Wunsch des Thüringer Landtages ist sehr lobenswert, aber vergleichsweise schwierig umzusetzen, da bei jedem einzelnen Erschliessungsprojekt von jedem Investor als erstes die Frage der Wirtschaftlichkeit gestellt wird.
Letztlich liegt damit das Problem weniger im Unterschied zwischen in den 1 oder 2 MBit/s, sondern in der Realisierung einer vollständigen flächendeckenden Grundversorgung, gepaart mit der großen Streuung und Kleinteiligkeit der Siedlungsflächen in Thüringen (oder auch anderswo).
Fakt ist, ca. 75% aller Gemeinden in Thüringen haben weniger als 2.000 EW oder unter 1.000 Haushalte (Faktor für Thüringen = 2.1). Und knapp 40% aller Gemeinden haben sogar unter 500 EW was unter 250 Haushalten entspricht.
Und die praktisch recht häufig vorzufindende Aufgliederung der Gemeinde in mehrere separate Orte ist hierbei noch nichteinmal berücksichtigt.
Wenn man dann noch berücksichtigt, dass in Thüringen nur knapp 63% überhaupt das Internet nutzen (aktuelle NOnliner-Studie) und ein Investor im ersten Jahr nach der Fertigstellung durchschnittlich mit 30% als Kunden rechnen kann, dann kann man sich leicht ausrechnen, wie teuer eine sich selbst wirtschaftlich tragende Investition noch sein darf.
Letztlich ist vor allem die extrem kleinteilige Siedlungsstruktur das eigentliche Problem, welches eine kostenintensive Erschliessung vielfach unwirtschaftlich macht.
Und die Anbieter selbst (allen voran die Telekom) haben mit ihrer Preisgestaltung, die sie in den Ballungszentren ausgerollt haben bei all ihren Kunden das Verständnis für leistungsadäquate Preise zerstört. (z.B. congstar - 16.000er = 19,98€; marktüblich zwischen 30-40 Euro)
Wenn 1MBit/s nicht 1/6 kosten von 6MBit/s oder 1/16 von 16MBit/s, sondern fast das selbe, dann ist hinterher nicht mehr vermittelbar, dass dies eigentlich nur für die lukrativen Ballungszentren gelten kann, in denen der Anbieter für die höheren Leistungsbereiche dann nur auf etwas mehr Rendite verzichtet, in jedem Fall aber noch Gewinn macht.
Wer "Geiz geil findet", der hilft mit, dass der flächendeckende Ausbau noch sehr, sehr lange dauern wird. Der wird auch weiter mit "bis zu ... "-Angeboten leben müssen, die viel versprechen und wenig halten.
Bandbreite ist nicht für umsonst zu erhalten. Und Qualität hat ihren Preis. Hohe Bandbreiten ohne Mengenbegrenzung und "Quality of Service" sind solche herausgehobene Qualitäten, für die auch ein angemessener Preis zu zahlen ist.
Und zum besseren Verständnis, über welche theoretischen Datenmengen wir reden, wenn der Anschluß tag- und nacht laufen würde:
Die "natürlichen" Mengengrenzen (rechnerisch maximal ladbare Datenmenge) bei den verschiedenen Geschwindigkeiten
64 kBit/s (ISDN-ohne Kanalbündelung) ca. 20 GB/Monat
128 kBit/s (ISDN-mit Kanalbündelung) ca. 40 GB/Monat
1.024 kBit/s ca. 316 GB/Monat
2 MBit/s ca. 630 GB/Monat
6 MBit/s ca. 1.900 GB/Monat = ca.1.9 TB/Monat
16 MBit/s ca. 5.000 GB/Monat = ca.5 TB/Monat
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Weil sich die rechtlichen Rahmenbedingungen aber auch unter optimistischster Annahme voraussichtlich nicht kurzfristig ändern werden, da man hierzu bei der EU beginnen müßte, bleibt also nur der Weg, alle
praktisch realisierbaren Möglichkeiten aktiv und gemeinsam umzusetzen.
Wie kann man also den Prozeß voranbringen:
- im ersten Schritt
alle Zugangstechnologien nutzen, die eine Verbesserung der Situation ermöglichen. Insbesondere die Funktechnologien helfen weite Strecken zu überbrücken, für die eine Tiefbaufinanzierung, zumindest kurzfristig, nicht realisierbar ist.
- Selbst DSL-Light ist bereits besser als ISDN, da hier eine Flatrate inclusive ist. Zwar noch nicht sehr viel schneller, aber deutlich kostengünstiger.
- alle Informationen zusammentragen und bündeln, die den Ausbau kostengünstiger und schneller machen. Eine zentrale Plattform dafür wird demnächst vom BKT bereitgestellt. Hier kann dann jeder mitmachen und breitbandrelevante Infrastrukturen, die er selbst kennt hinterlegen, georeferenziert und auf Wunsch auch mit Foto (z.B.Foto-Handy).
- für den zweiten Schritt alle Synergien bei Tiefbaumaßnahmen nutzen. Dafür so früh wie möglich bereits Planungen der Gemeinden für die Möglichkeit des Mitbaus veröffentlichen. Eine zentrale Plattform dafür wird demnächstvom BKT bereitgestellt. FTTB/H kann flächendeckend nur im Rahmen des Mitbaus einigermaßen kostengünstig und in endlicher Zeit realisiert werden.
- Alle Interessenten für einen schnelleren Internetzugang erfassen. Jeder Kunde mehr macht einen selbsttragenden Ausbau wahrscheinlicher. Eine zentrale Plattform dafür wird demnächst vom BKT bereitgestellt.
Weitere Hinweise sind sehr willkommen. Bitte direkt auch an unsere Mailadresse
breitbandkompetenzzentrum@thueringen-online.de Breitbandkompetenzzentrum Thüringen (BKT)