Seite 1 von 1

Email an Ministerpräsident Dr. Markus Söder 2026

BeitragVerfasst: 01.03.2026 14:53
von Dino75195
Email an Ministerpräsident Dr. Markus Söder 2026

Betreff: Glasfaser als strategische Infrastruktur für Bayern

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Dr. Söder,

mein Name ist Robert M., ich engagiere mich seit vielen Jahren im Umfeld der bundesweiten Initiative gegen digitale Spaltung – geteilt.de.

Sie haben sich in den vergangenen Jahren wiederholt für technologische Innovationskraft, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und starke ländliche Räume in Bayern eingesetzt. Gerade vor diesem Hintergrund möchte ich ein Thema ansprechen, das aus meiner Sicht infrastrukturell entscheidend für die kommenden Jahrzehnte ist: der flächendeckende Glasfaserausbau.

Glasfaser ist kein Komfort-Upgrade, sondern die digitale Grundversorgung des 21. Jahrhunderts – vergleichbar mit Strom, Wasser oder Verkehrsinfrastruktur. Sie ist die einzige dauerhaft skalierbare Technologie mit ausreichend Leistungsreserven für Wirtschaft, Verwaltung, Bildung und private Haushalte.

Ein zentrales Problem ist jedoch die geringe sogenannte Take-up-Quote. In vielen Gebieten liegt Glasfaser zwar vor der Haustür oder sogar im Gebäude, wird aber nicht aktiviert. Die Gründe dafür sind vielschichtig:

Viele Haushalte empfinden ihren bestehenden DSL- oder Kabelanschluss als „ausreichend“.

Es fehlt eine klare politische Kommunikation, dass Glasfaser die dauerhafte Zielinfrastruktur ist.

Solange Kupfer ohne Abschaltperspektive weiterbetrieben wird, besteht kein unmittelbarer Handlungsdruck.

Teilweise wurden durch aggressive Vertriebspraktiken („Drückerkolonnen“) Vertrauen und Akzeptanz beschädigt.

Preisunterschiede zwischen Kupfer und Glasfaser wirken migrationshemmend.

Die Folge ist ein strukturelles Dilemma: Wenn zu wenige Bürgerinnen und Bürger mitmachen, sinkt die Wirtschaftlichkeit des Ausbaus. Projekte werden verschoben, gestoppt oder nur teilweise umgesetzt. Der Infrastrukturwechsel verlangsamt sich weiter.

Mit den aktuellen Rahmenbedingungen – Vorrang des eigenwirtschaftlichen Ausbaus, punktuelle Förderung, fehlende verbindliche Abschaltperspektiven für Kupfer – wird weder bis 2030 noch bis 2035 eine echte Flächendeckung erreichbar sein. Der Ausbau bleibt fragmentiert, Kommunen werden organisatorisch überlastet, und ohne klare Migrationsstrategie fehlt vielen Bürgern der Anreiz zum Umstieg.

Aus meiner Sicht braucht es daher:

eine klare politische Zieldefinition für einen vollständigen Infrastrukturwechsel,

verbindliche Migrationslogiken in vollständig erschlossenen Gebieten,

eine transparente Kommunikation gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern, dass Glasfaser die dauerhafte Infrastruktur ist,

sozial verträgliche Basistarife auf DSL-Niveau,

und eine stärkere Koordination statt kleinteiliger Einzelprojekte.

Bayern versteht sich als Hightech-Standort. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, sollte der Glasfaserausbau nicht als optionales Marktprojekt verstanden werden, sondern als strategische Infrastrukturaufgabe.

Mich würde interessieren, wie Sie die strategische Rolle des Freistaats Bayern beim Übergang von Kupfer zu Glasfaser sehen und ob aus Ihrer Sicht strukturelle Anpassungen notwendig sind, um den Ausbau deutlich zu beschleunigen.

Dieses Schreiben wird im öffentlichen Forum der Plattform http://www.geteilt.de veröffentlicht.
Auch eine Antwort Ihrerseits würde dort veröffentlicht. Falls Sie dies nicht wünschen, bitte ich um einen entsprechenden Hinweis.

Mit freundlichen Grüßen