Anfrage an Bundesministerium für Digitales und Staatsm. 2026
Anfrage an Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) über
https://bmds.bund.de/kontakt
https://bmds.bund.de/kontakt
Glasfaserausbau: Strukturelle Fehlentwicklungen und fehlende Zielerreichung bis 2030/2035
Sehr geehrter Herr Bundesminister Wildberger,
mein Name ist Robert M., ich komme aus der Nähe von München und engagiere mich deutschlandweit für den Breitbandausbau über geteilt.de – Initiative gegen digitale Spaltung.
geteilt.de ist eine bundesweite, unabhängige und werbefreie Initiative gegen digitale Spaltung und engagiert sich seit über 20 Jahren für einen flächendeckenden, leistungsfähigen und bezahlbaren Breitbandausbau in Deutschland. Ziel ist digitale Teilhabe für alle Menschen, unabhängig vom Wohnort, Einkommen oder Anbieterinteressen. Seit zwei Jahrzehnten weisen wir darauf hin, dass ein überwiegend wettbewerbsgetriebener und unkoordinierter Breitbandausbau ohne klare staatliche Zielvorgaben zu strukturellen Fehlentwicklungen führt. Die heutige Situation bestätigt diese Einschätzung in weiten Teilen.
Nach unserer Analyse wird Deutschland unter den aktuellen regulatorischen und strukturellen Rahmenbedingungen weder bis 2030 noch bis 2035 eine flächendeckende Glasfaserabdeckung erreichen. Der Ausbau erfolgt weiterhin fragmentiert, punktuell und häufig ohne klare Migrationsstrategie. Parallelstrukturen aus Kupfer- und Glasfasernetzen binden Ressourcen, verteuern den Betrieb und verzögern Investitionen in bislang unterversorgte Gebiete.
Die Verantwortung wird in erheblichem Umfang auf Kommunen verlagert, insbesondere im ländlichen Raum. Gemeinden müssen komplexe Förderverfahren organisieren, Markterkundungen durchführen und Vergaben steuern – ohne ausreichende strukturelle Unterstützung. Gleichzeitig bleibt der Vorrang des eigenwirtschaftlichen Ausbaus bestehen, obwohl dieser naturgemäß vor allem wirtschaftlich attraktive Regionen adressiert. Das Ergebnis sind Überbau in Ballungsräumen und weiterhin bestehende Lücken im ländlichen Raum.
Solange Kupferanschlüsse ohne verbindliche Abschaltperspektive dauerhaft verfügbar bleiben, fehlt zudem ein klarer Migrationsanreiz. Ein dauerhafter Parallelbetrieb ist volkswirtschaftlich ineffizient und verhindert einen konsequenten Infrastrukturwechsel. Glasfaser darf nicht als optionales Premiumprodukt behandelt werden, sondern muss als neue Grundinfrastruktur etabliert werden – vergleichbar mit Strom, Wasser oder dem früheren Telefonanschluss.
Ohne verbindliche Abschaltfristen, migrationsfördernde Regulierung und eine strukturelle Neuordnung der Ausbauorganisation wird der Markt allein die gesetzten Ziele nicht erreichen. Die bisherigen Entwicklungen zeigen dies deutlich.
Ich würde mich freuen, wenn Sie zu diesen Punkten Stellung nehmen. Eine Veröffentlichung Ihrer Antwort – wie in der Vergangenheit üblich – ist ausdrücklich vorgesehen.
Vielen Dank